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Sonntag, 7. Juli 2019

Das Rätsel um das Voynich-Manuskript


Im Bestand der Beinecke Rare Book and Manuscript Library der Universität Yale befindet sich seit 1969 ein geheimnisvolles Manuskript, das bis heute trotz zahlreicher Versuche weder in seiner Bedeutung noch in seinem Inhalt entschlüsselt werden konnte – vorausgesetzt, es gibt überhaupt einen sinnvollen Inhalt, der erschlossen werden kann. Auch die genaue Herkunft und Entstehung des Manuskripts ist unklar und konnte seit Jahrhunderten nicht in allen Details geklärt werden. Bis heute hält das sogenannte Voynich-Manuskript mehr Fragen als Antworten bereit und unser neuester Artikel verfolgt das Ziel, diese vorzustellen und die bisherige wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Dokument im Hinblick auf seine Geschichte, seine Inhalte und die Versuche seiner Entschlüsselung nachzuvollziehen.


Abbildung aus der astronomischen Sektion (f. 68r) 
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0f/68r.jpg

Sonntag, 23. Juni 2019

Alfred der Große gegen die Wikinger – Oder: Wie Alfred den Kuchen verbrennen ließ

Eduard der Ältere, Edmund der Friedfertige, Eduard der Bekenner, Wilhelm der Eroberer, Ludwig der Löwe: Die Reihe englischer Herrscher mit markanten Beinamen ließe sich noch um einige weitere ergänzen. Doch nur ein einziger Herrscher der britischen Inseln erhielt in all den Jahrhunderten von seinem Volk den Beinamen ‚der Große‘: Alfred (848-899). Verehrt für die Vereinigung der angelsächsischen Königreiche und für seinen beinahe aussichtslosen Kampf gegen die invadierenden Wikinger, bekannt für seinen Reformdrang und die Förderung der altenglischen Sprache und Schrift. Alfred verdiente sich diesen Beinamen also nicht nur aufgrund seiner Körpergröße und Statur. Schon den Kindern wird die Legende und das Leben Alfreds erzählt, gilt er doch als derjenige, der dem heutigen England seine Grundstruktur erkämpft und gegeben hat. Einen großen Anteil an seinem Status hat vor allem auch die Legende um die ‚burned cakes‘, bei  der  noch heute die Mehrheit der Engländer hellhörig wird. Dieser kurz!-Artikel befasst sich mit der Geschichte Alfreds, insbesondere dem Beginn seiner Herrschaft, und der Signifikanz der ‚burned cakes‘ für seinen Status als ‚der Große‘.

Alfred der Große in einer mittelalterlichen Handschrift / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6d/Alfred_-_MS_Royal_14_B_VI.jpg

Sonntag, 12. Mai 2019

Marie-Louise Bourgeois – ‚der alten Koͤnigin in Franckreich / bestellten Amme‘

Sie gilt als Wegbereiterin der Geburtshilfe vom Mittelalter in die Neuzeit und war 26 Jahre am französischen Hof als Hebamme tätig: Marie-Louise Bourgeois. In unserem heutigen kurz!-Artikel soll nicht nur das Leben dieser berühmten französischen Hebamme im Vordergrund stehen, sondern auch ihr Fachbuch zur Tokologie (Geburtshilfe) Observations diverses sur la stérilité, perte de fruict, fécondité, accouchements et maladies des femmes et enfants nouveaux naiz vorgestellt werden, das 1609 erschien und durch mehrere Auflagen und Übersetzungen in andere Sprachen einen großen Einfluss auf die Geburtshilfe im 17. Jahrhundert hatte. 

Marie-Louise Bourgeois
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b9/Louise_Boursier.jpg 

Sonntag, 28. April 2019

Der Große Judenbrand und der Große Christenbrand


Immer wieder kam es im Mittelalter und der Frühen Neuzeit zu Stadtbränden, in deren Verlauf häufig ganze Stadtviertel und Straßenzüge zerstört wurden, wie beispielsweise beim Großen Brand von London 1666. Ursachen für die schnelle Ausbreitung der Flammen waren vor allem aus Holz gebaute und mit Stroh gedeckte Häuser sowie sehr enge Straßen, die Löschversuche erschwerten. Im 18. Jahrhundert kam es innerhalb von wenigen Jahren in Frankfurt am Main zu zwei größeren Bränden, die auch als der Große Judenbrand und der Große Christenbrand bezeichnet werden. Was es mit diesen Bezeichnungen auf sich hat, wie es zu den beiden Bränden kam und welche Folgen diese jeweils nach sich zogen, wird in unserem neuen Artikel thematisiert.

Sonntag, 17. März 2019

Frauenhäuser in spätmittelalterlichen deutschen Städten

Seit dem 14. Jahrhundert entstanden in den deutschen Städten die ersten Bordelle, die zeitgenössisch auch euphemistisch als frowenhus (Frauenhaus) bezeichnet wurden. Da auch beispielsweise Frauenklöster als Frauenhäuser bezeichnet wurden, suggeriert die Bezeichnung frowenhus zunächst, dass es sich dabei um Herbergen handelte, in denen alleinstehende Frauen Zuflucht finden konnten. Die in einer Stiftungsurkunde aus dem 14. Jahrhundert für ein Frauenhaus in Wien verwendete Bezeichnung vanchnusse leibs vnd sels macht jedoch ganz deutlich, dass solche Frauenhäuser keine Herbergen, sondern vielmehr Zwangseinrichtungen waren, die von Frauenwirten und Frauenwirtinnen unterhalten wurden und in die die in den Städten lebenden Prostituierten häufig gegen den eigenen Willen und mit Gewalt ‚eingewiesen‘ wurden. Im Mittelpunkt dieses kurz!-Artikels sollen die Frauenhäuser in den mittelalterlichen Städten, die Frauen, die in diesen lebten, sowie die Umstände, unter denen die Frauen leben mussten, stehen.

Joachim Beuckelaer: Bordell (1562)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6b/Joachim_Beuckelaer_-_Brothel_-_Walters_371784.jpg

Sonntag, 3. März 2019

Frühneuzeitliche ‚Steinkinder’


Bis zum heutigen Tag kennt die medizinische Forschung weniger als 300 Fälle von sogenannten Lithopädia: um 1880 waren gerade einmal 47 Fälle beschrieben worden. Bei einem Lithopädion handelt es sich um einen abgestorbenen Fötus, der meistens im Mutterleib durch die Aufnahme von Kalk zunächst eingekapselt und anschließend mumifiziert wird. In diesem Artikel soll es zunächst um das Phänomen, seine Ursachen und seine Ausprägungen an sich gehen, bevor dann die Vorstellung dreier frühneuzeitlicher Fälle erfolgt, die im Volksmund häufig als ‚Steinkinder’ bezeichnet werden: das ‚Steinkind von Sens’ in Frankreich (1554 bzw. 1582), das ‚Steinkind von Leinzell’ im heutigen Baden-Württemberg (1674 bzw. 1720) und das ‚Nebelsche Steinkind’ (1713 bzw. 1767), welches nach seinem Entdecker, dem Mediziner und Rektor der Universität Heidelberg Daniel Wilhelm Nebel (1735-1805) benannt wurde.

Sonntag, 17. Februar 2019

Sexualität und Ehe – Sklaverei im Mittelmeerraum III

Testamente, Gerichtsurkunden, Versicherungen, Freikaufverträge und Heiratsverträge geben zahlreiche Hinweise auf die Beziehungen zwischen Sklavenhaltern und ihren Sklaven im Mittelmeerraum während des Mittelalters. Sie zeigen jedoch auch deutlich ihre Machtlosigkeit gegenüber und die Fremdbestimmtheit durch diese.
Neben den in den ersten beiden Teilen der kurz!-Reihe aufgezeigten unterschiedlichen Möglichkeiten der Sklaverei auf legalem oder illegalem Wege zu entfliehen sowie den sehr heterogenen und meist vom Sklavenhalter abhängigen Lebensbedingungen, bis hin zu den Verdienstmöglichkeiten und individuellen Lebensgeschichten, zeichnet sich das Leben der Sklaven naturgemäß durch starke Einschränkungen, Unterdrückung und ein fremdbestimmtes Leben in Gefangenschaft aus. Dies heißt nicht, dass das Leben in Sklaverei menschliche Emotionen, Beziehungen und Sexualität ausschloss. Doch was passierte, wenn Sklavinnen und Sklaven sich verliebten oder körperliche Beziehungen eingehen wollten? Wenn Sklavinnen letztlich sogar schwanger wurden oder heiraten wollten?
In diesem kurz!-Artikel soll ein Überblick über die Lebenswelt und Lebenswirklichkeit der Sklavinnen im Mittelmeerraum mit dem Fokus auf Sexualität, Kinder und Ehe gegeben werden. Dahingehend sollen zunächst die allgemeinen Lebensumstände und Rechte von Sklavinnen im Vergleich zu Dienstmädchen betrachtet werden, um daran anschließend die Sexualität der Sklavinnen, die Möglichkeiten einer Eheschließung und die Konsequenzen des Kinderkriegens zu thematisieren. Schließlich soll ein kurzer Vergleich zwischen dem nördlichen Mittelmeerraum und dem Orient die unterschiedlichen Regelungen im Umgang mit diesen Situationen verdeutlichen.

Sklavenmarkt in Zabid im Jemen, 13. Jahrhundert; Illustration von Yahya ibn Mahmud al-Wasiti / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/Slaves_Zadib_Yemen_13th_century_BNF_Paris.jpg


Sonntag, 20. Januar 2019

Bartholomäus Metlinger und sein ‚Kinderbüchlein‘

Als 1473 in Augsburg sein Kinderbüchlein im Druck erschien, hatte Bartholomäus Metlinger damit nicht nur die erste Kinderheilkunde in deutscher Sprache veröffentlicht, sondern auch ein Buch verfasst, dass schon kurz nach Erscheinen überregionale Bekanntheit erlangte und zu einem der „einflussreichsten Pädiatrieschriften der Zeitenwende“ (Zapf 2015, Sp. 896) werden sollte. In unserem heutigen kurz!-Artikel sollen nicht nur die medizinisch-heilkundlichen und pädagogischen Inhalte des Kinderbüchleins, sondern auch sein Verfasser Bartholomäus Metlinger vorgestellt werden.

Titelbild der Ausgabe des Kinderbüchleins von 1497 (Drucker: Hans Schaur)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bartholomäus_Metlinger#/media/File:B._Metlinger_1497.jpg

Sonntag, 6. Januar 2019

Die ‚Blutgräfin‘ Elisabeth Báthory

Im Jahr 1836 verfasste der österreichische Schriftsteller Johann Nepomuk Vogl (1802-1866) eine Ballade mit dem Titel „Die Burgfrau zu Cseitha“. In dieser wird von einem „tiefen Keller“ erzählt, in dem „herzzerschneidend Schreien“ zu hören sei. Auch ist die Rede von einem Eisenkessel, der „zur Nacht gefüllet mit warmem Jungfernblut“ werde. Die dritte und letzte Strophe lautet schließlich folgendermaßen: „Drin badet sich die Schlossfrau auf ihres Zwergen Rat, die Jugend fest zu halten, die dem Verblühen naht, dort wäscht die welken Glieder das tigerhafte Weib und taucht ins Blut der Opfer den sündenvollen Leib.“ Mit der genannten Schlossfrau wird auf die sogenannte ungarische ‚Blutgräfin‘ Elisabeth Báthory (1560-1614) angespielt, die über 600 Mädchen gefoltert und umgebracht haben soll, um mit dem Blut ihrer Opfer ihre eigene Jugend zu erhalten. In diesem Artikel geht es um das Leben Elisabeth Báthorys, ihre begangenen Verbrechen, die Legendenbildung um diese und ihre bis heute anhaltende Rezeption.

Elisabeth Báthory im Alter von 25 Jahren, Porträt von 1585, gilt heute als verschollen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_B%C3%A1thory#/media/File:Elizabeth_Bathory_Portrait.jpg

Sonntag, 25. November 2018

‚dar verkledden und vermummeden sich knechte und magede‘ – Karneval im Norden

Vielerorts wurde vor zwei Wochen am Elften im Elften um 11:11 Uhr die neue Karnevals-, Fastnachts- oder Faschingssession eröffnet – je nach Region können die Bezeichnungen variieren. Das Ausrufen des Karnevals ist damit der Startschuss für zahlreiche folgende Feiern, Karnevalssitzungen und Vorstellungen von Prinzenpaaren. Ihren Höhepunkt erreicht die Session im nächsten Jahr, wenn am Rosenmontag, dem Montag vor Aschermittwoch, in zahlreichen Städten Karnevalsumzüge veranstaltet werden. Auch im Mittelalter gab es in vielen Orten Karnevalsfeierlichkeiten; in Nürnberg wurde der ‚Schembartlauf‘ – ein anfänglich von den Nürnberger Metzgern organisierter Maskenumzug – veranstaltet, aber auch in Braunschweig und Hildesheim gab es ähnliche Festlichkeiten. Karneval feierte man aber auch im noch ‚höheren Norden‘ – in Riga. Eine in mittelniederdeutscher Sprache verfasste Fastnachtsordnung aus dem Jahr 1510 vermittelt einen Eindruck davon, wie die so genannten ‚Schwarzhäupter‘, eine Vereinigung von unverheirateten Kaufleuten am Ende des Spätmittelalters bzw. zu Beginn der Frühen Neuzeit, die Karnevalszeit feierte und die damit verbundenen Festivitäten organisierte. Die 216 Punkte umfassende Fastnachtsordnung der Schwarzhäupter soll im Mittelpunkt dieses kurz!-Artikels stehen.

Ein Nusswerfer beim Nürnberger Schembartlauf (Nürnberg,  Stadtbibliothek, Solg. Ms. 25.2°, fol. 12)(https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Schembartlauf#/media/File:Nuernberger_Schembartlauf.jpg)

Sonntag, 11. November 2018

Die Tanzwut von 1518

Im 14. und 15. Jahrhundert kam es im Gebiet um die Flüsse Rhein, Mosel und Maas vereinzelt zu sogenannten Tanzwutausbrüchen. Größere Gruppen von Menschen tanzten ohne erkennbare Ursache so lange, bis sie in Ekstase verfielen und teilweise nach einigen Tagen vor Erschöpfung zusammenbrachen oder in seltenen Fällen auch starben. Andere Begriffe, die dieses merkwürdige Phänomen beschreiben, waren Tanzkrankheit, Tanzplage, Tanzsucht, Tanzpest, Choreomanie, im Englischen dancing plague oder im Lateinischen epilepsia saltatoria. Bis heute konnte für diese Ausbrüche keine eindeutige Ursache festgestellt werden, vielmehr gibt es verschiedene Erklärungsansätze und Deutungsversuche. Im Jahr 1374 fand eine solche Tanzwut von Belgien bis zum Oberrhein statt. Die sogenannte Limburger Chronik berichtet darüber: „Anno 1374 Mitte des Sommers erhub sich ein wunderlich Ding auf Erden und sunderlich in Teutschen Landen, auf dem Rhein und auf der Mosel, also daß Leut anhuben zu danzen und zu rasen.“ 1463 sollen sich im Eifelgebiet ähnliche Ereignisse abgespielt haben und schließlich vor genau 500 Jahren im Jahr 1518 in Straßburg. Um die letztgenannte Tanzwut und ihre möglichen Gründe soll es in unserem neuen Artikel gehen.

Die Wallfahrt der der Fallsüchtigen nach Meulebeeck, ein Kupferstich von Hendrik Hondius nach einer Zeichnung von Pieter Bruegels des Älteren aus dem Jahre 1564.  https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fa/Die_Wallfahrt_der_Fallsuechtigen_nach_Meulebeeck.jpg

Sonntag, 30. September 2018

'in arte medicine experta' – Jacoba Felicie gegen die Pariser medizinische Fakultät

Auch wenn Frauen im Mittelalter aufgrund der generellen Exklusion von den Universitäten das Studium der Medizin verboten war, gab es Frauen, die sich – ohne je an einer Universität Medizin studiert zu haben – um die medizinische Versorgung erkrankter Mitmenschen kümmerten. Hildegard von Bingen, die sich als Äbtissin und infirmaria (Krankenschwester) selbst um erkrankte Nonnen im von ihr gegründeten Kloster Ruperstberg kümmerte, kann sicherlich als die bekannteste Heilerin des Mittelalters gelten. Daneben gab es jedoch auch andere Frauen, die v.a. in den Städten erkrankte Menschen behandelten. Dass diese Heilerinnen häufig mit großen Widerständen zu kämpfen hatten, zeigt ein juristisches Verfahren, dass im 14. Jahrhundert in Paris gegen Jacoba Felicie angestrengt wurde. Die Pariser Fakultät hatte zwischen 1312 und 1322 gleich mehrere juristische Prozesse gegen Frauen und Männer eingeleitet, die ohne Approbation auf dem Gebiet der Medizin tätig waren. Angeklagt wurde auch Jacoba Felicie, die beschuldigt wurde, in und um Paris mehrere schwer kranke Menschen besucht und widerrechtlich geheilt zu haben. Verlauf und Ausgang dieses juristischen Verfahrens sollen im Vordergrund dieses kurz!-Artikels stehen.

Versammlung der Doktoren der Universität Paris; Illustration aus den Chants royaux,
BNF Paris, Fraçais 1537, fol. 27v (16. Jh.)
(
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/Meeting_of_doctors_at_the_university_of_Paris.jpg)

Sonntag, 16. September 2018

Dietrich Holzschuh oder das Warten auf den Friedenskaiser


Am 13. Dezember 1250 starb Friedrich II. (1194-1250), letzter römisch-deutscher Kaiser aus dem Adelsgeschlecht der Staufer, auf der Burg Castel Fiorentino bei Lucera in Italien. Nach dem Tod des umstrittenen Herrschers, der von päpstlicher Seite unter anderem als Ketzer und Antichrist geächtet worden war, während seine Anhänger in ihm einen herausragenden Herrscher und den zu erwartenden Messias gesehen hatten, gab es schon bald Gerüchte über eine mögliche Wiederkehr des Staufers. Mehrere Personen, die behaupteten, Friedrich II. zu sein, traten vor allem in den deutschsprachigen Gebieten in Erscheinung. Einer von ihnen war Dietrich Holzschuh, auch bekannt als Tile Kolup. Unser neuer Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte des bekanntesten der „falschen Friedriche“ und versucht zu erklären, warum so viele an dem Tod Friedrichs zweifelten und in ihm den sogenannten Friedenskaiser zu erkennen glaubten. 

Friedrich II. mit seinem Falken. Aus seinem Buch De arte venandi cum avibus, Süditalien zwischen 1258 und 1266, Vatikanische Apostolische Bibliothek (Cod. Pal. Lat. 1071, fol. 1v.)  https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/db/Frederick_II_and_eagle.jpg

Sonntag, 15. Juli 2018

Die Geschichte, wie die Angelsachsen nach England kamen*


Die Angelsachsen. Keine andere Bevölkerungsgruppe hat England ihren Stempel so aufgedrückt wie sie. Im englischen Sprachgebrauch ist es sogar heute noch üblich, von den Bewohnern der gesamten englischsprachigen Welt als den „Anglo-Saxons“ zu reden. Wer genau diese Angelsachsen aber waren, die an der Wende der Antike zum Mittelalter die britische Insel stürmten, darüber ist tatsächlich nur wenig bekannt. Das Problem ist folgendes: Mit dem Abzug der römischen Truppen aus Britannien nehmen – wie auch auf dem Kontinent – die schriftlichen Quellen massiv ab. Genau zu bestimmen, wer da auf die britische Insel kam, ist schwierig. Die Völker, über die wir hier reden wollen, wussten es ja nicht mal selbst! Wir sprechen schließlich über eine Zeit, in der sich in Europa viel bewegte – im ganz wörtlichen Sinne. Damals wanderten auf dem Kontinent zahllose kleinere und größere Gruppen von Angeln, Sachsen, vor allem aber Goten, Langobarden, Franken und anderen umher. Einige dieser Gruppen schafften es offensichtlich auch auf die britische Insel. Und sie sollten sie für immer verwandeln.

Anglo-Saxon king with his witan, in: Illustrated Old English Hexateuch (11th century)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e4/Witan_hexateuch.jpg

Sonntag, 1. Juli 2018

Von Würmern, Wässern und Wunden – Arzneibücher im Mittelalter

Weme eyn vel oeuer dat oughe gewasen is, dey sal nemen eyne gans swarte katten ind dat hovet bernen to puluer. Mit dieser Präparationsanweisung zur Herstellung eines Heilpulvers aus dem zu Pulver gebrannten Kopf einer schwarzen Katze, das gegen Hautfalten über dem Auge eingesetzt werden kann, beginnt das im 15. Jahrhundert entstandene Stockholmer Arzneibuch. Ganz andere Informationen liefert der Beginn des um 1400 zusammengestellten Utrechter Arzneibuchs: De minsche is gemaket van ver stucken: van der erde vnde van der lucht, van vure vnde van watere. Mit dem Rückgriff auf die Vier-Elemente-Lehre, nach der alles Sein aus den vier Elementen Erde, Luft, Feuer und Wasser zusammengesetzt ist, wird hier der Mensch in dieses Schema eingeordnet. Obwohl beide Texte schon zu Beginn ganz unterschiedliches heilkundliches Wissen vermitteln, können sie dennoch beide als Arzneibücher eingeordnet werden. In diesem kurz!-Artikel sollen deutsche, insbesondere mittelniederdeutsche, Arzneibücher des Mittelalters genauer betrachtet werden. Es soll danach gefragt werden, aus welchen Texten diese zusammengesetzt sind und aus welchen medizinischen Wissensbereichen sie Wissen vermitteln.

Anatomische Darstellung der Venen an einem Venenmann (13. Jh.)
(https://en.wikipedia.org/wiki/Medieval_medicine_of_Western_Europe#/media/File:13th_century_anatomical_illustration_-_sharp.jpg)

Sonntag, 17. Juni 2018

Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste


Möchte man sich heute einen Überblick über den Wissensstand in den verschiedenen Disziplinen wie etwa Geographie, Mathematik oder Medizin vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verschaffen, so lohnt ein Blick in das Grosse vollständige Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, das von 1732 bis 1754 in 64 Bänden und vier Supplementbänden erschien und den Anspruch erhob, das gesammelte akademische und nicht-akademische Wissen der Zeit zu sammeln, in Volkssprache zu verbreiten und es einem möglichst großen Rezipientenkreis relativ preisgünstig zugänglich zu machen. Somit stellt das Zedlersche Lexikon europaweit das umfangreichste Projekt einer Enzyklopädie im 18. Jahrhundert dar. In unserem heutigen Artikel beschäftigen wir uns mit der schwierigen Entstehungsgeschichte des Lexikons, seinem Verleger Johann Heinrich Zedler (1706-1751) sowie mit der Kritik, mit der sich die Autoren auseinandersetzen mussten.

Sonntag, 3. Juni 2018

Wege in die Gefangenschaft - Sklaverei im Mittelmeerraum II

Die Verbreitung der Sklaverei, die im Mittelmeerraum bereits im Hochmittelalter begonnen hatte, erreichte dort im 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt und lässt sich dann als ein Massenphänomen beschreiben. Der erste Teil dieser kurz!-Reihe befasste sich mit ebenjener Verbreitung der Sklaverei sowie mit der ideologischen Legitimierung und den verschiedenen Wegen in die Sklaverei. Männer und Frauen wurden zunächst gleichermaßen zunächst als Kriegsbeute gesehen und anschließend versklavt. Später wiederum brauchte es eine solche Begründung nicht mehr, um Menschen versklaven zu dürfen. Entweder wurden Männer und Frauen auch abseits von kriegerischen Auseinandersetzungen gefangengenommen und verkauft oder aber sie begaben sich aufgrund finanzieller, sozialer oder gesellschaftlicher Schwierigkeiten und Missstände mehr oder minder freiwillig in die Sklaverei. Dieser zweite Teil der kurz!-Reihe widmet sich diesen Männern und Frauen. So werden einerseits die unterschiedlichen Arbeitsformen, in denen die Sklaven eingesetzt wurden, beleuchtet und andererseits speziell die versklavten Frauen und ihre Aufgabengebiete betrachtet.

Die Neuangekommene von Giulio Rosati / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1e/Une_nouvelle_arriv%C3%A9e_by_Giulio_Rosati_3.jpg

Sonntag, 20. Mai 2018

Attentat auf einen Papst – Leo III. und die Kaiserkrönung Karls des Großen*

Der 25. April 799 ist in die Weltgeschichte eingegangen, obwohl die Ereignisse dieses Tages in Rom zunächst einmal nur mit den dortigen Begebenheiten zu tun hatten. Die weltgeschichtliche Bedeutung erhielten die Ereignisse erst durch ihre Nachwirkung. Denn sie waren der Ausgangspunkt einer Reihe von Geschehnissen, die schlussendlich zu einem der bekanntesten Meilensteine des abendländischen Mittelalters führen sollten: der Kaiserkrönung Karls des Großen (768-814) am Weihnachtstag des Jahres 800. 
Doch was geschah an diesem 25. April in Rom? Welche Nachwirkungen brachten die Geschehnisse genau mit sich? Und warum war Karls Kaiserkrönung so besonders und wichtig? Diese und andere Fragen sollen in diesem kurz!-Artikel beantwortet werden. 

Am 25. April 799 – dem Tag des heiligen Marcus – hielt Papst Leo III. (795-816) eine große Bittprozession ab. Dies war an sich nichts Besonderes, die Päpste führen bis heute das ganze Jahr hindurch viele solcher Prozessionen an. An diesem Tag jedoch war Leo III. in Gefahr, denn er hatte Gegner unter den Noblen Roms, die ein Attentat auf ihn planten.

Leo III. auf einem Mosaik im Triclinium des Lateran-Palastes (um 799)
(https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_III._(Papst)#/media/File:Leo_III_Mosaic.jpg)

Sonntag, 22. April 2018

Der Codex Buranus – und die Carmina Burana?!

Als der Historiker und Bibliothekar Johann Christoph Freiherr von Aretin im Jahr 1803 während der Säkularisation der bayrischen Klöster im Kloster Benediktbeuern auf eine Handschrift stieß, die er in einem Brief als „Sammlung von poetischen und prosaischen Satyren meistens gegen den päpstlichen Stuhl“ bezeichnete, entdeckte er damit die bedeutendste Sammlung mittellateinischer weltlicher Lyrik des Mittelalters: den Codex Buranus, der heute im Mittelpunkt unseres neuen kurz!-Artikels stehen soll. Es soll danach gefragt werden, wie die mittelalterliche Handschrift, die heute unter der Signatur Clm 4460 (und Clm 4460a) in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt wird, entdeckt wurde, welche Texte sie überliefert und was sie so besonders macht.

Das heutige Titelblatt des Codex Buranus mit der Darstellung des Rades der Fortuna
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/43/CarminaBurana_wheel.jpg

Sonntag, 25. März 2018

Wege in die Gefangenschaft – Sklaverei im Mittelmeerraum

„Artikel 4 (Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandels):
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.“

Seit dem 10. Dezember 1948 haben sich die Mitglieder der UNO der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ verpflichtet. Die darin festgehaltenen Grundrechte umfassen insgesamt 30 Artikel. Einer davon ist der oben zitierte Artikel 4, der das Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandels festgelegt. Anders als in der Gegenwart war die Sklaverei gerade in der Antike und wieder seit dem 15. Jahrhundert ein Massenphänomen und keineswegs verboten, sondern vielmehr ein für viele Menschen lukratives Geschäft. Doch nicht erst im 15. Jahrhundert erlebte die Sklaverei eine Renaissance. Seit dem Hochmittelalter und besonders seit den Kreuzzügen kam es im Mittelmeerraum vermehrt zur Versklavung von Menschen und zu Sklavenhandel. In einer zweiteiligen kurz!-Reihe werden verschiedene Aspekte der Sklaverei im Mittelmeerraum in den Blick genommen. In diesem ersten Artikel sollen die unterschiedlich begründeten Ideologien zur und die verschiedenen Wege in die Sklaverei betrachtet werden. 

Sklavenmarkt in Jemen, 13. Jahrhundert (Sklavenmärkte im Mittelmeerraum glichen diesem Beispiel)  / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/Slaves_Zadib_Yemen_13th_century_BNF_Paris.jpg