Sonntag, 17. Juni 2018

Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste


Möchte man sich heute einen Überblick über den Wissensstand in den verschiedenen Disziplinen wie etwa Geographie, Mathematik oder Medizin vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verschaffen, so lohnt ein Blick in das Grosse vollständige Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, das von 1732 bis 1754 in 64 Bänden und vier Supplementbänden erschien und den Anspruch erhob, das gesammelte akademische und nicht-akademische Wissen der Zeit zu sammeln, in Volkssprache zu verbreiten und es einem möglichst großen Rezipientenkreis relativ preisgünstig zugänglich zu machen. Somit stellt das Zedlersche Lexikon europaweit das umfangreichste Projekt einer Enzyklopädie im 18. Jahrhundert dar. In unserem heutigen Artikel beschäftigen wir uns mit der schwierigen Entstehungsgeschichte des Lexikons, seinem Verleger Johann Heinrich Zedler (1706-1751) sowie mit der Kritik, mit der sich die Autoren auseinandersetzen mussten.

Sonntag, 3. Juni 2018

Wege in die Gefangenschaft - Sklaverei im Mittelmeerraum II

Die Verbreitung der Sklaverei, die im Mittelmeerraum bereits im Hochmittelalter begonnen hatte, erreichte dort im 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt und lässt sich dann als ein Massenphänomen beschreiben. Der erste Teil dieser kurz!-Reihe befasste sich mit ebenjener Verbreitung der Sklaverei sowie mit der ideologischen Legitimierung und den verschiedenen Wegen in die Sklaverei. Männer und Frauen wurden zunächst gleichermaßen zunächst als Kriegsbeute gesehen und anschließend versklavt. Später wiederum brauchte es eine solche Begründung nicht mehr, um Menschen versklaven zu dürfen. Entweder wurden Männer und Frauen auch abseits von kriegerischen Auseinandersetzungen gefangengenommen und verkauft oder aber sie begaben sich aufgrund finanzieller, sozialer oder gesellschaftlicher Schwierigkeiten und Missstände mehr oder minder freiwillig in die Sklaverei. Dieser zweite Teil der kurz!-Reihe widmet sich diesen Männern und Frauen. So werden einerseits die unterschiedlichen Arbeitsformen, in denen die Sklaven eingesetzt wurden, beleuchtet und andererseits speziell die versklavten Frauen und ihre Aufgabengebiete betrachtet.

Die Neuangekommene von Giulio Rosati / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1e/Une_nouvelle_arriv%C3%A9e_by_Giulio_Rosati_3.jpg

Sonntag, 20. Mai 2018

Attentat auf einen Papst – Leo III. und die Kaiserkrönung Karls des Großen*

Der 25. April 799 ist in die Weltgeschichte eingegangen, obwohl die Ereignisse dieses Tages in Rom zunächst einmal nur mit den dortigen Begebenheiten zu tun hatten. Die weltgeschichtliche Bedeutung erhielten die Ereignisse erst durch ihre Nachwirkung. Denn sie waren der Ausgangspunkt einer Reihe von Geschehnissen, die schlussendlich zu einem der bekanntesten Meilensteine des abendländischen Mittelalters führen sollten: der Kaiserkrönung Karls des Großen (768-814) am Weihnachtstag des Jahres 800. 
Doch was geschah an diesem 25. April in Rom? Welche Nachwirkungen brachten die Geschehnisse genau mit sich? Und warum war Karls Kaiserkrönung so besonders und wichtig? Diese und andere Fragen sollen in diesem kurz!-Artikel beantwortet werden. 

Am 25. April 799 – dem Tag des heiligen Marcus – hielt Papst Leo III. (795-816) eine große Bittprozession ab. Dies war an sich nichts Besonderes, die Päpste führen bis heute das ganze Jahr hindurch viele solcher Prozessionen an. An diesem Tag jedoch war Leo III. in Gefahr, denn er hatte Gegner unter den Noblen Roms, die ein Attentat auf ihn planten.

Leo III. auf einem Mosaik im Triclinium des Lateran-Palastes (um 799)
(https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_III._(Papst)#/media/File:Leo_III_Mosaic.jpg)

Sonntag, 6. Mai 2018

Die Schlacht von Azincourt - Wie englische Langbögen dem französischen Heer 1415 zum Verhängnis wurden

And on the morrow, that is Friday, on the feast of Sts Crispin and Crispinian, the 25th of October, the French, in the early dawn, arrayed themselves in battle lines, columns, and platoons and took up position in front of us in that field, called the field of Agincourt, across which lay our road towards Calais, and the number of them was really terrifying. And they placed squadrons of cavalry, many hundreds strong, on each flank of their vanguard, to break the formation and resistance of our archers. And that vanguard was composed of dismounted men drawn from all their nobles and the pick of their forces and, with its forest of spears and the great number of helmets gleaming in between them and of cavalry on the flanks, it was a rough guess thirty times more than all our men put together.
So beschreibt der unbekannte Autor der Gesta Henrici Quinti in den Jahren 1416/17 die französischen Truppen unmittelbar vor der Schlacht von Azincourt, rund 40 km südlich von Calais gelegen, in der sich Frankreich und England gegenüberstanden. Deutliche Betonung findet in dieser Beschreibung die Truppenstärke der französischen Streitmacht, die den Angaben des Chronisten zufolge die der Engländer um ein Dreißigfaches überstiegen haben soll. Was laut der Beschreibung beinahe wie ein bereits verlorener Kampf für die Truppen des englischen Königs Heinrich V. (1386-1422) erscheinen mag, sollte zu einem seiner größten Siege werden. Wie es zu der Schlacht kam, wie sie verlief und wie es den Engländern gelang, trotz der französischen Übermacht zu triumphieren, wollen wir in diesem kurz!-Artikel genauer betrachten.


Sonntag, 22. April 2018

Der Codex Buranus – und die Carmina Burana?!

Als der Historiker und Bibliothekar Johann Christoph Freiherr von Aretin im Jahr 1803 während der Säkularisation der bayrischen Klöster im Kloster Benediktbeuern auf eine Handschrift stieß, die er in einem Brief als „Sammlung von poetischen und prosaischen Satyren meistens gegen den päpstlichen Stuhl“ bezeichnete, entdeckte er damit die bedeutendste Sammlung mittellateinischer weltlicher Lyrik des Mittelalters: den Codex Buranus, der heute im Mittelpunkt unseres neuen kurz!-Artikels stehen soll. Es soll danach gefragt werden, wie die mittelalterliche Handschrift, die heute unter der Signatur Clm 4460 (und Clm 4460a) in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt wird, entdeckt wurde, welche Texte sie überliefert und was sie so besonders macht.

Das heutige Titelblatt des Codex Buranus mit der Darstellung des Rades der Fortuna
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/43/CarminaBurana_wheel.jpg

Sonntag, 8. April 2018

Die Königsmarck-Affäre

Wer geht so spät zu Hofe, / Da alles längst im Schlaf? / Im Vorsaal wacht die Zofe – Schon naht der schöne Graf. / Er sprach: „Eh ich nach Frankreich geh, / Muß ich sie noch umarmen, / Prinzessin Dorothee.“ So beginnt ein Volkslied, das in Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg überliefert ist. Es handelt von der verbotenen Liebesbeziehung zwischen der verheirateten Kurprinzessin und Herzogin Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg (1666-1726) mit dem hannoverschen Offizier Philipp Christoph Graf von Königsmarck (1665-1694), die 1694 schließlich in der Ermordung des Grafen und lebenslanger Gefangenschaft für die Herzogin endete. In unserem neuen Artikel beschäftigen wir uns mit diesem Skandal am Hof von Hannover, den Hintergründen der Affäre und den Personen, die die Geschehnisse maßgeblich beeinflussten.

Sophie Dorothea mit ihren Kindern, Öl auf Leinwand, Jacques Vaillant, Hannover 1691 (?).  
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0e/Sophie_Dorothea_Prinzessin_von_Ahlden.jpg

Sonntag, 25. März 2018

Wege in die Gefangenschaft – Sklaverei im Mittelmeerraum

„Artikel 4 (Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandels):
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.“

Seit dem 10. Dezember 1948 haben sich die Mitglieder der UNO der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ verpflichtet. Die darin festgehaltenen Grundrechte umfassen insgesamt 30 Artikel. Einer davon ist der oben zitierte Artikel 4, der das Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandels festgelegt. Anders als in der Gegenwart war die Sklaverei gerade in der Antike und wieder seit dem 15. Jahrhundert ein Massenphänomen und keineswegs verboten, sondern vielmehr ein für viele Menschen lukratives Geschäft. Doch nicht erst im 15. Jahrhundert erlebte die Sklaverei eine Renaissance. Seit dem Hochmittelalter und besonders seit den Kreuzzügen kam es im Mittelmeerraum vermehrt zur Versklavung von Menschen und zu Sklavenhandel. In einer zweiteiligen kurz!-Reihe werden verschiedene Aspekte der Sklaverei im Mittelmeerraum in den Blick genommen. In diesem ersten Artikel sollen die unterschiedlich begründeten Ideologien zur und die verschiedenen Wege in die Sklaverei betrachtet werden. 

Sklavenmarkt in Jemen, 13. Jahrhundert (Sklavenmärkte im Mittelmeerraum glichen diesem Beispiel)  / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/Slaves_Zadib_Yemen_13th_century_BNF_Paris.jpg


Sonntag, 18. März 2018

Die Vitalienbrüder - Mehr als Klaus Störtebekers Seeräuberbande

„Es sind schon über fünftehalb hundert Jahre vergangen, da hausete lange Zeit auf der Ostsee eine grausame Bande von Seeräubern, welche sich die Victualien- oder Vitalienbrüder nannten, weil sie nur von Raub und Beute lebten, oder auch Liekendeeler, weil man sagt, daß sie alle Beute zu gleichen Theilen unter sich vertheilt hätten. Die Anführer dieser Bande waren Claus Störtebeck und Michael Gädeke.”

So beginnt Jodocus Temme seine im Jahre 1840 in den „Volkssagen von Pommern und Rügen” erschienene Erzählung über eine „Bande von Seeräubern”, wie er sie nennt, die Vitalienbrüder. Um „Claus Störtebeck”, besser bekannt als Klaus Störtebeker, ranken sich zahllose Sagen und Legenden. Seien es die abenteuerlichen Reisen, auf denen sagenhafte Schätze erbeutet wurden, die Darstellung als eine Art “Robin Hood der Meere”, der die Reichen ausraubte und die Beute mit den Armen teilte oder aber seine legendäre Enthauptung in Hamburg nach der er kopflos an seinen Männern vorbei gelaufen sein soll, um diese vor der Hinrichtung zu retten. Klaus Störtebeker ist wohl der bekannteste der Vitalienbrüder. Doch wer waren die fratres vitalienses und woher kamen sie? Mit diesen Fragen wollen wir uns in diesem kurz!-Artikel beschäftigen.

Sonntag, 25. Februar 2018

„Per tot discrimina rerum“ – Kaiser Maximilian I.

Während seiner Herrschaft gab es Ereignisse, die die Welt grundlegend veränderten – der Fall von Konstantinopel 1453, die Entdeckung der Neuen Welt 1492, die Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts, die Entdeckung des Buchdrucks – und die ihn zu einem Kaiser zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit machten. Die Rede ist von Kaiser Maximilian I., dessen Leben, das sich gut mit seinem Wahlspruch „Per tot discrimina rerum“ („Durch so viele Gefahren“) beschreiben lässt, im Mittelpunkt dieses kurz!-Artikels stehen soll. 

Kaiser Maximilian I., gemalt von Albrecht Dürer (1519)
(https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_I._(HRR)#/media/File:Albrecht_Dürer_-_Portrait_of_Maximilian_I_-_Google_Art_Project.jpg)

Sonntag, 11. Februar 2018

Die Entwicklung der Guillotine

Inmitten der Französischen Revolution, am 20. März 1792, erließ die Französische Nationalversammlung ein Dekret, wonach alle zukünftigen Hinrichtungen in Frankreich mit der Guillotine vollstreckt werden sollten. Zum einen sollte so eine schnellere Abfolge von Enthauptungen möglich werden, zum anderen galt der Tod unter dem Fallbeil als nahezu schmerzfrei. Unser neuester Artikel beschäftigt sich mit der Entwicklung der Guillotine und ihren Fürsprechern, den Vorläufern dieser Tötungsmaschine sowie den Gründen und Folgen ihrer Einführung. 

Sonntag, 28. Januar 2018

Das Gegenkönigtum Rudolfs von Rheinfelden

Gestern, am 27. Januar, jährte sich die Schlacht bei Flarchheim zum 938. Mal. Flarchheim, eine kleine Gemeinde südlich von Mühlhausen in Thüringen, bot im Jahre 1080 die Kulisse für eine der kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Heinrich IV. (König ab 1056, Kaiser von 1084 bis 1105) und dem von den Fürsten des Reiches gewählten Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden (Gegenkönig von 1077 bis 1080). Der Konflikt zwischen diesen beiden Männern war eine Folge der jahrelangen Streitereien zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. (Papst von 1073 bis 1085) im Investiturstreit und den dadurch entstandenen Unruhen im Reich. Dieser Artikel beleuchtet die Vorgeschichte des Konflikts sowie die Schlachten in Flarchheim und bei Hohenmölsen, die über die Zukunft des Königtums entschieden sollten. Darüber hinaus werden die Gründe zur Wahl Rudolfs als Gegenkönig sowie schließlich der Ausgang des Konflikts vorgestellt.
 
Die Grabplatte Rudolfs im Dom von Merseburg/ Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Grabplatte_Rudolf_von_Rheinfelden_Detail.JPG

Sonntag, 14. Januar 2018

Der Seeweg nach Indien: Teil III - Das langersehnte Ziel

In den ersten beiden Teilen unserer kurz!-Reihe über die Suche der Portugiesen nach einem Seeweg nach Indien auf der östlichen Route hatten wir uns mit der Reise Vasco da Gamas (1469-1524) beschäftigt. Dieser war im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel I. (1469-1521) mit einer Flottille im Juli 1497 in See gestochen, hatte in einem spektakulären Manöver und unter einigen Verlusten das Kap der Guten Hoffnung umrundet und die Straße von Moçambique, die zwischen der Afrikanischen Küste und Madagaskar hindurchführt, durchquert. Schließlich waren die Abenteurer am 2. März 1498 in eine Bucht an der Westküste Afrikas eingefahren, wo eine der Karavellen auf eine Sandbank auflief. In unserem heutigen, abschließenden Artikel der Reihe soll es um das letzte Stück der Reise gehen, dass schließlich zum Erreichen Indiens führte. 

Die schwarze Linie markiert die Route, die da Gama und seine Expedition nahmen. In unserem heutigen Artikel geht um die Teilstrecke bis zum Erreichen Moçambiques. https://de.wikipedia.org/wiki/Vasco_da_Gama#/media/File:Caminho_maritimo_para_a_India.png.


Sonntag, 7. Januar 2018

Die Weihnachtsfeier von Greccio 1223

Vor genau 14 Tagen wurde an Heiligabend der Geburt Jesu gedacht und in den Heiligen Messen, die zu diesem Anlass in den Kirchen gefeiert wurden, ist vor allem das Krippenspiel heute ein fester Bestandteil. In szenischen Darstellungen wird dabei meist von Kindern die Weihnachtsgeschichte nachgespielt oder besungen. Diese Krippenspiele sind jedoch keine Erfindung der Neuzeit, sondern schon für das frühe Mittelalter belegt. Bereits im 10./11. Jahrhundert gab es diese Darstellungen des Weihnachtsgeschehens um Maria, Josef und das Jesuskind mit lebenden Personen, die dabei nicht nur auf die Kirche beschränkt waren, sondern auch vermehrt in die Familien gelangten. Ein besonderes Krippenspiel ereignete sich im Jahr 1223 in der kleinen, 90 Kilometer nördlich von Rom gelegenen Gemeinde Greccio: Franz von Assisi, der 1181/2 in der umbrochen Stadt Assisi geboren wurde und sich um 1204/5 als Ritter von seinem weltlichen Herrn lossagte, um sich, nachdem ihm Gott im Traum erschienen sein soll, in den Dienst Gottes zu stellen, ließ dort das Weihnachtsevangelium in Form einer lebenden Krippe darstellen. Dieses Krippenspiel soll im Mittelpunkt dieses neuen kurz!-Artikels stehen.

Fresko des Heiligen Franziskus im Sacro Speco in Subiaco. Das Fresko ist das älteste, vermutlich noch zu seinen Lebzeiten entstandene Bild des Heiligen.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Assisi#/media/File:StFrancis_part.jpg)