Sonntag, 14. Oktober 2018

Die Hexenprozesse von Salem

In the latter end of the year 1691, Mr. Samuel Paris, Pastor of the Church in Salem-Village, had a Daughter of Nine, and a Neice of about Eleven years of Age, sadly Afflicted of they knew not what Distempers; and he made his application to Physitians, yet still they grew worse: And at length one Physitian gave his opinion, that they were under an Evil Hand […]. These Children were bitten and pinched by invisible agents; their arms, necks, and backs turned this way and that way, and returned back again, so as it was impossible for them to do of themselves, and beyond the power of any Epileptick Fits, or natural Disease to effect. Sometimes they were taken dumb, their mouths stopped, their throats choaked, their limbs wracked and tormented so as might move an heart of stone, to sympathize with them, with bowels of compassion for them.


So beschrieb der puritanische Geistliche Reverend John Hale (1636-1700), der Zeuge der Ereignisse war, in seinem 1697 erschienenen Werk A Modest Enquiry Into the Nature of Witchcraft die Symptome der beiden ersten Opfer von Hexerei, die in Salem in der englischen Kolonie Massachusetts auftraten. Infolgedessen kam es zu einer Massenhysterie sowie einer Reihe von Hexenprozessen. Mit ihren Gründen, dem Hergang und ihren Folgen wollen wir uns in unserem heutigen kurz!-Artikel beschäftigen. Dabei sollen vor allem die ersten drei Beschuldigten, Tituba, Sarah Good und Sarah Osborne im Vordergrund stehen, deren Befragungen vom 1. bis zum 7. März 1692 stattfanden.

Darstellung der Hexenprozesse von Salem in Pioneers in the Settlement of America von William A. Crafts, 1876, https://cdn.britannica.com/85/115885-050-286DCD84.jpg 

Sonntag, 30. September 2018

'in arte medicine experta' – Jacoba Felicie gegen die Pariser medizinische Fakultät

Auch wenn Frauen im Mittelalter aufgrund der generellen Exklusion von den Universitäten das Studium der Medizin verboten war, gab es Frauen, die sich – ohne je an einer Universität Medizin studiert zu haben – um die medizinische Versorgung erkrankter Mitmenschen kümmerten. Hildegard von Bingen, die sich als Äbtissin und infirmaria (Krankenschwester) selbst um erkrankte Nonnen im von ihr gegründeten Kloster Ruperstberg kümmerte, kann sicherlich als die bekannteste Heilerin des Mittelalters gelten. Daneben gab es jedoch auch andere Frauen, die v.a. in den Städten erkrankte Menschen behandelten. Dass diese Heilerinnen häufig mit großen Widerständen zu kämpfen hatten, zeigt ein juristisches Verfahren, dass im 14. Jahrhundert in Paris gegen Jacoba Felicie angestrengt wurde. Die Pariser Fakultät hatte zwischen 1312 und 1322 gleich mehrere juristische Prozesse gegen Frauen und Männer eingeleitet, die ohne Approbation auf dem Gebiet der Medizin tätig waren. Angeklagt wurde auch Jacoba Felicie, die beschuldigt wurde, in und um Paris mehrere schwer kranke Menschen besucht und widerrechtlich geheilt zu haben. Verlauf und Ausgang dieses juristischen Verfahrens sollen im Vordergrund dieses kurz!-Artikels stehen.

Versammlung der Doktoren der Universität Paris; Illustration aus den Chants royaux,
BNF Paris, Fraçais 1537, fol. 27v (16. Jh.)
(
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/Meeting_of_doctors_at_the_university_of_Paris.jpg)

Sonntag, 16. September 2018

Dietrich Holzschuh oder das Warten auf den Friedenskaiser


Am 13. Dezember 1250 starb Friedrich II. (1194-1250), letzter römisch-deutscher Kaiser aus dem Adelsgeschlecht der Staufer, auf der Burg Castel Fiorentino bei Lucera in Italien. Nach dem Tod des umstrittenen Herrschers, der von päpstlicher Seite unter anderem als Ketzer und Antichrist geächtet worden war, während seine Anhänger in ihm einen herausragenden Herrscher und den zu erwartenden Messias gesehen hatten, gab es schon bald Gerüchte über eine mögliche Wiederkehr des Staufers. Mehrere Personen, die behaupteten, Friedrich II. zu sein, traten vor allem in den deutschsprachigen Gebieten in Erscheinung. Einer von ihnen war Dietrich Holzschuh, auch bekannt als Tile Kolup. Unser neuer Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte des bekanntesten der „falschen Friedriche“ und versucht zu erklären, warum so viele an dem Tod Friedrichs zweifelten und in ihm den sogenannten Friedenskaiser zu erkennen glaubten. 

Friedrich II. mit seinem Falken. Aus seinem Buch De arte venandi cum avibus, Süditalien zwischen 1258 und 1266, Vatikanische Apostolische Bibliothek (Cod. Pal. Lat. 1071, fol. 1v.)  https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/db/Frederick_II_and_eagle.jpg

Sonntag, 2. September 2018

1177 – Der Friede von Venedig

Die Beziehung zwischen den beiden mächtigsten Herrschern der mittelalterlichen Welt, dem Papst und dem Kaiser, gestaltete sich häufig äußert kompliziert. Ob Rangstreitigkeiten um die Position des höchsten geistlichen oder weltlichen Herrschers, Verweigerungen um die Anerkennung oder Aufhebung von Ehen sowie Auseinandersetzungen unter Verbündeten, Konfliktpotential war stets gegeben. Als Hadrian IV. im Jahr 1159 starb, musste ein Nachfolger gewählt werden. Die Wahl des neuen Papstes wurde durch den amtierenden Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122 bis 1190) abgelehnt und ein Konflikt zwischen ihm und dem neuen Papst war quasi unumgänglich. In diesem kurz!-Artikel wird die Papstwahl sowie der Konflikt der mächtigsten Herrscher der Welt und der schließlich geschlossene 1177 Frieden 17 Jahre nach Ausbruch des Konfliktes betrachtet. Gerade der Friedensschluss von Venedig steht im Mittelpunkt dieses Artikels, da einerseits von mehreren Autoren über ihn berichtet wurde, andererseits das Treffen zwischen Papst und Kaiser als ritualisierte Handlungskette in den zeitgenössischen Quellen dargestellt wurde.

Papst Alexander (Mitte) mit Friedrich I. und seiner Frau (Zeichnung 14. Jahrhundert) / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/64/TrioE.jpg

Sonntag, 29. Juli 2018

Adelheid von Burgund - Königin, Kaiserin und consors regni


Nicht eine war vordem ihr gleich,
So hob und mehrte sie das Reich.
Die trotzige Germania,
Die fruchtbare Italia
Und ihre Fürsten untergab
Sie Romas Schwert und Herrscherstab.
Der edle König Otto dann
Durch sie den Kaiserthron gewann.
Der Sohn auch, den sie ihm gebar,
Des Reiches Stolz und Zierde war.

(aus: Odilo von Cluny, Das Leben der Kaiserin Adelheid, https://de.wikisource.org/wiki/Das_Leben_der_Kaiserin_Adalheid.)


Diese Verse schrieb der Cluniazensermönch Odilo von Cluny (961/62-1049) in seiner Lebensbeschreibung Adelheids von Burgund (932/933-999).  Nicht nur in diesen Zeilen, sondern auch in anderen Werken, die sich mit ihrem Leben befassen, sind Autoren voll des Lobes für sie und auch ihre Heiligsprechung weniger als 100 Jahre nach ihrem Tod zeigt, welch großes Ansehen sie genossen haben muss. Doch war sie keinesfalls nur die Gattin des großen römisch-deutschen Kaisers Otto I. (912-973), sondern hatte über weite Strecken eine Machtposition inne, die es ihr erlaubte, die Politik des Reiches mitzugestalten. Nicht zuletzt verdankte Otto ihr, wie auch Odilo von Cluny es in seinen Versen andeutet, seine Erlangung der Kaiserkrone. Mit dieser bemerkenswerten Frau und ihrem Leben beschäftigt sich unser heutiger kurz!-Artikel.

Sonntag, 15. Juli 2018

Die Geschichte, wie die Angelsachsen nach England kamen*


Die Angelsachsen. Keine andere Bevölkerungsgruppe hat England ihren Stempel so aufgedrückt wie sie. Im englischen Sprachgebrauch ist es sogar heute noch üblich, von den Bewohnern der gesamten englischsprachigen Welt als den „Anglo-Saxons“ zu reden. Wer genau diese Angelsachsen aber waren, die an der Wende der Antike zum Mittelalter die britische Insel stürmten, darüber ist tatsächlich nur wenig bekannt. Das Problem ist folgendes: Mit dem Abzug der römischen Truppen aus Britannien nehmen – wie auch auf dem Kontinent – die schriftlichen Quellen massiv ab. Genau zu bestimmen, wer da auf die britische Insel kam, ist schwierig. Die Völker, über die wir hier reden wollen, wussten es ja nicht mal selbst! Wir sprechen schließlich über eine Zeit, in der sich in Europa viel bewegte – im ganz wörtlichen Sinne. Damals wanderten auf dem Kontinent zahllose kleinere und größere Gruppen von Angeln, Sachsen, vor allem aber Goten, Langobarden, Franken und anderen umher. Einige dieser Gruppen schafften es offensichtlich auch auf die britische Insel. Und sie sollten sie für immer verwandeln.

Anglo-Saxon king with his witan, in: Illustrated Old English Hexateuch (11th century)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e4/Witan_hexateuch.jpg

Sonntag, 1. Juli 2018

Von Würmern, Wässern und Wunden – Arzneibücher im Mittelalter

Weme eyn vel oeuer dat oughe gewasen is, dey sal nemen eyne gans swarte katten ind dat hovet bernen to puluer. Mit dieser Präparationsanweisung zur Herstellung eines Heilpulvers aus dem zu Pulver gebrannten Kopf einer schwarzen Katze, das gegen Hautfalten über dem Auge eingesetzt werden kann, beginnt das im 15. Jahrhundert entstandene Stockholmer Arzneibuch. Ganz andere Informationen liefert der Beginn des um 1400 zusammengestellten Utrechter Arzneibuchs: De minsche is gemaket van ver stucken: van der erde vnde van der lucht, van vure vnde van watere. Mit dem Rückgriff auf die Vier-Elemente-Lehre, nach der alles Sein aus den vier Elementen Erde, Luft, Feuer und Wasser zusammengesetzt ist, wird hier der Mensch in dieses Schema eingeordnet. Obwohl beide Texte schon zu Beginn ganz unterschiedliches heilkundliches Wissen vermitteln, können sie dennoch beide als Arzneibücher eingeordnet werden. In diesem kurz!-Artikel sollen deutsche, insbesondere mittelniederdeutsche, Arzneibücher des Mittelalters genauer betrachtet werden. Es soll danach gefragt werden, aus welchen Texten diese zusammengesetzt sind und aus welchen medizinischen Wissensbereichen sie Wissen vermitteln.

Anatomische Darstellung der Venen an einem Venenmann (13. Jh.)
(https://en.wikipedia.org/wiki/Medieval_medicine_of_Western_Europe#/media/File:13th_century_anatomical_illustration_-_sharp.jpg)