Sonntag, 29. Juli 2018

Adelheid von Burgund - Königin, Kaiserin und consors regni


Nicht eine war vordem ihr gleich,
So hob und mehrte sie das Reich.
Die trotzige Germania,
Die fruchtbare Italia
Und ihre Fürsten untergab
Sie Romas Schwert und Herrscherstab.
Der edle König Otto dann
Durch sie den Kaiserthron gewann.
Der Sohn auch, den sie ihm gebar,
Des Reiches Stolz und Zierde war.

(aus: Odilo von Cluny, Das Leben der Kaiserin Adelheid, https://de.wikisource.org/wiki/Das_Leben_der_Kaiserin_Adalheid.)


Diese Verse schrieb der Cluniazensermönch Odilo von Cluny (961/62-1049) in seiner Lebensbeschreibung Adelheids von Burgund (932/933-999).  Nicht nur in diesen Zeilen, sondern auch in anderen Werken, die sich mit ihrem Leben befassen, sind Autoren voll des Lobes für sie und auch ihre Heiligsprechung weniger als 100 Jahre nach ihrem Tod zeigt, welch großes Ansehen sie genossen haben muss. Doch war sie keinesfalls nur die Gattin des großen römisch-deutschen Kaisers Otto I. (912-973), sondern hatte über weite Strecken eine Machtposition inne, die es ihr erlaubte, die Politik des Reiches mitzugestalten. Nicht zuletzt verdankte Otto ihr, wie auch Odilo von Cluny es in seinen Versen andeutet, seine Erlangung der Kaiserkrone. Mit dieser bemerkenswerten Frau und ihrem Leben beschäftigt sich unser heutiger kurz!-Artikel.

Sonntag, 15. Juli 2018

Die Geschichte, wie die Angelsachsen nach England kamen*


Die Angelsachsen. Keine andere Bevölkerungsgruppe hat England ihren Stempel so aufgedrückt wie sie. Im englischen Sprachgebrauch ist es sogar heute noch üblich, von den Bewohnern der gesamten englischsprachigen Welt als den „Anglo-Saxons“ zu reden. Wer genau diese Angelsachsen aber waren, die an der Wende der Antike zum Mittelalter die britische Insel stürmten, darüber ist tatsächlich nur wenig bekannt. Das Problem ist folgendes: Mit dem Abzug der römischen Truppen aus Britannien nehmen – wie auch auf dem Kontinent – die schriftlichen Quellen massiv ab. Genau zu bestimmen, wer da auf die britische Insel kam, ist schwierig. Die Völker, über die wir hier reden wollen, wussten es ja nicht mal selbst! Wir sprechen schließlich über eine Zeit, in der sich in Europa viel bewegte – im ganz wörtlichen Sinne. Damals wanderten auf dem Kontinent zahllose kleinere und größere Gruppen von Angeln, Sachsen, vor allem aber Goten, Langobarden, Franken und anderen umher. Einige dieser Gruppen schafften es offensichtlich auch auf die britische Insel. Und sie sollten sie für immer verwandeln.

Anglo-Saxon king with his witan, in: Illustrated Old English Hexateuch (11th century)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e4/Witan_hexateuch.jpg

Sonntag, 1. Juli 2018

Von Würmern, Wässern und Wunden – Arzneibücher im Mittelalter

Weme eyn vel oeuer dat oughe gewasen is, dey sal nemen eyne gans swarte katten ind dat hovet bernen to puluer. Mit dieser Präparationsanweisung zur Herstellung eines Heilpulvers aus dem zu Pulver gebrannten Kopf einer schwarzen Katze, das gegen Hautfalten über dem Auge eingesetzt werden kann, beginnt das im 15. Jahrhundert entstandene Stockholmer Arzneibuch. Ganz andere Informationen liefert der Beginn des um 1400 zusammengestellten Utrechter Arzneibuchs: De minsche is gemaket van ver stucken: van der erde vnde van der lucht, van vure vnde van watere. Mit dem Rückgriff auf die Vier-Elemente-Lehre, nach der alles Sein aus den vier Elementen Erde, Luft, Feuer und Wasser zusammengesetzt ist, wird hier der Mensch in dieses Schema eingeordnet. Obwohl beide Texte schon zu Beginn ganz unterschiedliches heilkundliches Wissen vermitteln, können sie dennoch beide als Arzneibücher eingeordnet werden. In diesem kurz!-Artikel sollen deutsche, insbesondere mittelniederdeutsche, Arzneibücher des Mittelalters genauer betrachtet werden. Es soll danach gefragt werden, aus welchen Texten diese zusammengesetzt sind und aus welchen medizinischen Wissensbereichen sie Wissen vermitteln.

Anatomische Darstellung der Venen an einem Venenmann (13. Jh.)
(https://en.wikipedia.org/wiki/Medieval_medicine_of_Western_Europe#/media/File:13th_century_anatomical_illustration_-_sharp.jpg)

Sonntag, 17. Juni 2018

Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste


Möchte man sich heute einen Überblick über den Wissensstand in den verschiedenen Disziplinen wie etwa Geographie, Mathematik oder Medizin vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verschaffen, so lohnt ein Blick in das Grosse vollständige Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, das von 1732 bis 1754 in 64 Bänden und vier Supplementbänden erschien und den Anspruch erhob, das gesammelte akademische und nicht-akademische Wissen der Zeit zu sammeln, in Volkssprache zu verbreiten und es einem möglichst großen Rezipientenkreis relativ preisgünstig zugänglich zu machen. Somit stellt das Zedlersche Lexikon europaweit das umfangreichste Projekt einer Enzyklopädie im 18. Jahrhundert dar. In unserem heutigen Artikel beschäftigen wir uns mit der schwierigen Entstehungsgeschichte des Lexikons, seinem Verleger Johann Heinrich Zedler (1706-1751) sowie mit der Kritik, mit der sich die Autoren auseinandersetzen mussten.

Sonntag, 3. Juni 2018

Wege in die Gefangenschaft - Sklaverei im Mittelmeerraum II

Die Verbreitung der Sklaverei, die im Mittelmeerraum bereits im Hochmittelalter begonnen hatte, erreichte dort im 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt und lässt sich dann als ein Massenphänomen beschreiben. Der erste Teil dieser kurz!-Reihe befasste sich mit ebenjener Verbreitung der Sklaverei sowie mit der ideologischen Legitimierung und den verschiedenen Wegen in die Sklaverei. Männer und Frauen wurden zunächst gleichermaßen zunächst als Kriegsbeute gesehen und anschließend versklavt. Später wiederum brauchte es eine solche Begründung nicht mehr, um Menschen versklaven zu dürfen. Entweder wurden Männer und Frauen auch abseits von kriegerischen Auseinandersetzungen gefangengenommen und verkauft oder aber sie begaben sich aufgrund finanzieller, sozialer oder gesellschaftlicher Schwierigkeiten und Missstände mehr oder minder freiwillig in die Sklaverei. Dieser zweite Teil der kurz!-Reihe widmet sich diesen Männern und Frauen. So werden einerseits die unterschiedlichen Arbeitsformen, in denen die Sklaven eingesetzt wurden, beleuchtet und andererseits speziell die versklavten Frauen und ihre Aufgabengebiete betrachtet.

Die Neuangekommene von Giulio Rosati / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1e/Une_nouvelle_arriv%C3%A9e_by_Giulio_Rosati_3.jpg

Sonntag, 20. Mai 2018

Attentat auf einen Papst – Leo III. und die Kaiserkrönung Karls des Großen*

Der 25. April 799 ist in die Weltgeschichte eingegangen, obwohl die Ereignisse dieses Tages in Rom zunächst einmal nur mit den dortigen Begebenheiten zu tun hatten. Die weltgeschichtliche Bedeutung erhielten die Ereignisse erst durch ihre Nachwirkung. Denn sie waren der Ausgangspunkt einer Reihe von Geschehnissen, die schlussendlich zu einem der bekanntesten Meilensteine des abendländischen Mittelalters führen sollten: der Kaiserkrönung Karls des Großen (768-814) am Weihnachtstag des Jahres 800. 
Doch was geschah an diesem 25. April in Rom? Welche Nachwirkungen brachten die Geschehnisse genau mit sich? Und warum war Karls Kaiserkrönung so besonders und wichtig? Diese und andere Fragen sollen in diesem kurz!-Artikel beantwortet werden. 

Am 25. April 799 – dem Tag des heiligen Marcus – hielt Papst Leo III. (795-816) eine große Bittprozession ab. Dies war an sich nichts Besonderes, die Päpste führen bis heute das ganze Jahr hindurch viele solcher Prozessionen an. An diesem Tag jedoch war Leo III. in Gefahr, denn er hatte Gegner unter den Noblen Roms, die ein Attentat auf ihn planten.

Leo III. auf einem Mosaik im Triclinium des Lateran-Palastes (um 799)
(https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_III._(Papst)#/media/File:Leo_III_Mosaic.jpg)

Sonntag, 6. Mai 2018

Die Schlacht von Azincourt - Wie englische Langbögen dem französischen Heer 1415 zum Verhängnis wurden

And on the morrow, that is Friday, on the feast of Sts Crispin and Crispinian, the 25th of October, the French, in the early dawn, arrayed themselves in battle lines, columns, and platoons and took up position in front of us in that field, called the field of Agincourt, across which lay our road towards Calais, and the number of them was really terrifying. And they placed squadrons of cavalry, many hundreds strong, on each flank of their vanguard, to break the formation and resistance of our archers. And that vanguard was composed of dismounted men drawn from all their nobles and the pick of their forces and, with its forest of spears and the great number of helmets gleaming in between them and of cavalry on the flanks, it was a rough guess thirty times more than all our men put together.
So beschreibt der unbekannte Autor der Gesta Henrici Quinti in den Jahren 1416/17 die französischen Truppen unmittelbar vor der Schlacht von Azincourt, rund 40 km südlich von Calais gelegen, in der sich Frankreich und England gegenüberstanden. Deutliche Betonung findet in dieser Beschreibung die Truppenstärke der französischen Streitmacht, die den Angaben des Chronisten zufolge die der Engländer um ein Dreißigfaches überstiegen haben soll. Was laut der Beschreibung beinahe wie ein bereits verlorener Kampf für die Truppen des englischen Königs Heinrich V. (1386-1422) erscheinen mag, sollte zu einem seiner größten Siege werden. Wie es zu der Schlacht kam, wie sie verlief und wie es den Engländern gelang, trotz der französischen Übermacht zu triumphieren, wollen wir in diesem kurz!-Artikel genauer betrachten.