Sonntag, 13. April 2014

Sophie von der Pfalz

Sophie von der Pfalz 

Vorausgesetzt Sophie von der Pfalz hätte gute zwei Monate länger gelebt, dann wäre sie uns heute als Königin von Großbritannien bekannt. So aber ist über die Prinzessin von der Pfalz nur wenig in die Geschichtsbücher eingegangen und es sind hauptsächlich ihre eigenen auf Französisch verfassten Memoiren, die uns Auskünfte über ihr Leben geben.

Sophie wurde am 14. Oktober 1630 als zwölftes Kind des pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. (1610-1632) und dessen Frau Elisabeth Stuart in Den Haag geboren, wo sich die Familie aufgrund der Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) im Exil aufhielt, nachdem die Herrschaft ihres Vaters als König von Böhmen nur ein Jahr Bestand gehabt hatte („Winterkönig“).

Nach dem Tod des Vaters nur zwei Jahre nach Sophies Geburt, verbrachte sie ihre Kindheit mit ihren Geschwistern getrennt von der Mutter in Leiden, bevor diese sie als Zehnjährige zurück nach Den Haag holte. Da ihre Mutter Elisabeth die Tochter des englischen Königs Jakob I. (1566-1625) war, hatte die Familie stets enge Verbindungen zum englischen Königshaus unterhalten. Aus diesen resultierte auch der frühzeitig geknüpfte Plan, Sophie mit ihrem Cousin Karl zu verheiraten, der schließlich nach dem englischen Bürgerkrieg und der Wiederherstellung der englischen Monarchie, der sogenannten Restauration, 1660 zum englischen König gekrönt werden sollte. Jedoch kam es zu keiner Eheschließung zwischen Sophie und Karl, weshalb Sophie zunächst nach Heidelberg zog und sich dort um die Kinder ihres Bruder Karl Ludwig kümmerte. Karl Ludwig war als Pfalzgraf bei Rhein einer der Reichsfürsten, denen das Recht zur Wahl des römisch-deutschen Königs zustand.

Sophie verbrachte acht Jahre am Hof ihres Bruders, bevor sie sich schließlich im Oktober 1658 mit Herzog Ernst August zu Lüneburg-Braunschweig vermählte, der aus dem fränkischen Adelsgeschlecht der Welfen stammte. Eigentlich hätte sie jedoch dessen Bruder Georg Wilhelm heiraten sollen. Dieser jedoch zog seine Freiheit vor, welche er durch eine Ehe gefährdet sah, versprach, niemals eine Ehe einzugehen – ein Versprechen, das er später brach und somit das Erbe Sophies und Ernst Augusts gefährdete – und nach seinem Tod das gesamte Herzogtum seinem Bruder zu vererben und tauschte kurzerhand mit diesem die Braut. Aller Erwartungen aufgrund dieser seltsamen Umstände zum Trotz, führten Sophie, die durch die Heirat selbst zur Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg und 1692 gar zur Kurfürstin von Braunschweig-Lüneburg geworden war, und Ernst August in den folgenden Jahren eine Ehe, die als auf gegenseitiger Zuneigung fußend angesehen wurde und der neun Kinder entstammten.

Nach einer Zeit in Hannover und einem Aufenthalt in Osnabrück siedelte die Familie im August 1679 in die hannoversche Residenz in Herrenhausen um. Sophie kümmerte sich hier besonders um die Ausgestaltung des Hauses und die Umgestaltung des Gartens nach niederländischem Vorbild. Außerdem verbrachte sie viel Zeit auf Reisen, die sie hauptsächlich nach Italien führten und sie beschäftigte sich vermehrt mit Literatur und Geschichte. Auch kümmerte sie sich intensiv um die Verheiratung ihrer einzigen Tochter Sophie Charlotte, die letztlich 1684 Friedrich I. von Preußen (1657-1713) heiraten sollte und somit zur ersten Königin in Preußen wurde.

Nach dieser eher als ruhig zu charakterisierenden Phase in ihrem Leben, fand Sophie sich, seit 1698 nunmehr verwitwet, 1701 plötzlich, nachdem in England der Act of Settlement erlassen worden war, an zweiter Stelle in der englischen Thronfolge wieder. Vor ihr stand nur Anne Stuart (1665-1714), die protestantische Tochter und designierte Thronfolgerin des römisch-katholischen Königs Jakob II. Als sich die Gesundheit Annes, die ab 1702 Königin von England und Schottland und ab 1707 nach dem Zusammenschluss erste Königin von Großbritannien geworden war, von Jahr zu Jahr verschlechterte, sah alles danach aus, als würde die protestantische Sophie doch noch Königin werden. Sie verstarb jedoch am 8. Juni 1714 im Alter von 83 Jahren plötzlich an Herzversagen, letztlich nur kurz vor Annes Tod im August 1714. Schließlich war es Sophies erstgeborener Sohn Georg Ludwig (1660-1727), der als Georg I. den britischen Thron bestieg. Erst mit dem Tod Königin Victorias 1901 endete diese Herrschaft des Hauses Hannover. Durch den Act of Settlement ist Sophie jedoch bis heute die gesetzlich garantierte Stammmutter des britischen Königshauses.

Zum Weiterlesen:
Karin Feuerstein-Praßer: Sophie von Hannover (1630-1714). „Wenn es die Frau Kurfürstin nicht gebe…“, Regensburg 2007.

Kommentare:

  1. Sophies Vater, Kurfürst Friedrich III, lebte von 1610 bis 1632 (nicht wie oben steht 1623).

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    1. Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben es sofort geändert.

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