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Sonntag, 26. Mai 2019

William Marshal: Teil 3 — Treuer Ritter an der Seite Heinrichs II.

Abbildung von William Marshal in der Historia Major von Matthew Paris (um 1200-1259), https://commons.wikimedia.org/wiki/William_Marshal,_1st_Earl_of_Pembroke#/media/File:Matthew_Paris_-_William_Marshal.jpg

Diese Abbildung zeigt den anglonormannischen Ritter William Marshal (um 1147-1219), den schon mittelalterliche Chronisten als „größten aller Ritter” bezeichneten. Über sein Leben wissen wir heute vor allem das, was in der Histoire de Guillaume le Maréchal, einer Versbiografie, steht, die kurz nach seinem Tod basierend auf den Erinnerungen seines Knappen verfasst worden war und erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Die Histoire beschreibt das außergewöhnliche Leben eines Mannes, dem es gelang, vom einfachen Ritter zum Vertrauten der englischen Könige aufzusteigen. Eine enge Freundschaft verband ihn mit König Heinrich dem Jüngeren (1155-1183). Als dieser nach kurzer Krankheit verstarb, soll er seinen Weggefährten auf dem Totenbett darum gebeten haben, seinen Umhang zum Heiligen Grab nach Jerusalem zu bringen.

Sonntag, 12. Mai 2019

Marie-Louise Bourgeois – ‚der alten Koͤnigin in Franckreich / bestellten Amme‘

Sie gilt als Wegbereiterin der Geburtshilfe vom Mittelalter in die Neuzeit und war 26 Jahre am französischen Hof als Hebamme tätig: Marie-Louise Bourgeois. In unserem heutigen kurz!-Artikel soll nicht nur das Leben dieser berühmten französischen Hebamme im Vordergrund stehen, sondern auch ihr Fachbuch zur Tokologie (Geburtshilfe) Observations diverses sur la stérilité, perte de fruict, fécondité, accouchements et maladies des femmes et enfants nouveaux naiz vorgestellt werden, das 1609 erschien und durch mehrere Auflagen und Übersetzungen in andere Sprachen einen großen Einfluss auf die Geburtshilfe im 17. Jahrhundert hatte. 

Marie-Louise Bourgeois
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b9/Louise_Boursier.jpg 

Sonntag, 31. März 2019

William Marshal: Teil 2 - Gefeierter Turnierritter und Vertrauter Heinrichs des Jüngeren

Abbildung von William Marshal in der Historia Major von Matthew Paris (um 1200-1259), https://commons.wikimedia.org/wiki/William_Marshal,_1st_Earl_of_Pembroke#/media/File:Matthew_Paris_-_William_Marshal.jpg
Diese Abbildung zeigt den anglonormannischen Ritter William Marshal (um 1147-1219), den schon mittelalterliche Chronisten als „größten aller Ritter” bezeichneten. Über sein Leben wissen wir heute vor allem das, was in der Histoire de Guillaume le Maréchal, einer Versbiografie, steht, die kurz nach seinem Tod basierend auf den Erinnerungen seines Knappen verfasst und erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Die Histoire beschreibt das außergewöhnliche Leben eines Mannes, dem es gelang, vom einfachen Ritter zum Vertrauten der englischen Könige aufzusteigen. Mit diesem bemerkenswerten Leben wollen wir uns in dieser kurz!-Reihe beschäftigen. Dabei soll es im zweiten Teil um William Marshals Zeit im Gefolge Heinrichs des Jüngeren (1155-1183) gehen, in der er unter anderem zum erfolgreichen Turnierritter aufstieg.

Wie im ersten Teil der Reihe dargestellt, war es William Marshal gelungen, vom unbedeutenden und mittellosen Ritter bis ins Gefolge der englischen Königin, Eleonore von Aquitanien (1122-1204, mehr zu ihr gibt es hier) aufzusteigen. An ihrer Seite kehrte er 1170 vom Kontinent nach England zurück, um der Krönung ihres Sohnes, Heinrich dem Jüngeren, zum Mitkönig beizuwohnen. Dessen Vater, König Heinrich II. (1133-1189), brach bald nach der Zeremonie wieder in die Normandie auf und stellte seinem 15-jährigen Sohn Berater und Vertraute zur Seite, die ihm helfen sollten, die Geschickte Englands zu lenken. Unter ihnen war auch William Marshal, der dem jungen König als Kampf- und Waffenlehrer dienen stehen sollte. Nur acht Jahre älter als Heinrich, wurde er für ihn außerdem schnell zu einem Freund und Vertrauten. 

Heinrich der Jüngere war zwar von seinem Vater zum Mitkönig gekrönt worden, allerdings hatte dieser ihm bislang keine Güter und Ländereien zugewiesen, sodass der junge König nicht über das nötige Einkommen verfügte, seinen königlichen Lebensstil zu finanzieren und seine Getreuen standesgemäß zu entlohnen. Zudem war ein tatsächlicher Machtwechsel vom Vater auf den Sohn in naher Zukunft nicht in Aussicht. Generell zögerte Heinrich II. es immer wieder hinaus, Macht an einen seiner Söhne abzugeben. Ende 1172 wurden unter Rittern im Gefolge des jungen Heinrich sStimmen laut, er solle die Herrschaft des alten Königs beenden, um selbst die volle Macht zu erlangen. Ob William Marshal sich an diesen Intrigen beteiligte, ist nicht ganz klar. Als Heinrich II. jedoch von den Machenschaften erfuhr, wurden einige Ritter aus dem Haushalt seines Sohnes entfernt, Marshal war jedoch nicht darunter. 

Als Heinrich der Jüngere von seinem Vater ganz offen eine faktische Übertragung der Macht über das Anjou, die Normandie oder England forderte, was der König ihm jedoch verweigerte, kam es im Februar 1173 zum Bruch zwischen den beiden. Bald wurde dem alten König auch noch zugetragen, dass nicht nur sein ältester Sohn, sondern auch zwei weitere Söhne, Richard (1157-1199) und Gottfried (1158-1186), sowie gerüchteweise auch die Königin selbst seinen Umsturz anstrebten. Er befahl Heinrich dem Jüngeren, in dessen Gefolge sich auch William Marshal befand, mit ihm nach Norden zu ziehen. Bis Chinon begleitete dieser seinen Vater tatsächlich, ergriff dann aber bei Nacht und Nebel gemeinsam mit seinen treuesten Anhängern die Flucht. Spätestens jetzt wurde deutlich, dass der junge König eine Rebellion gegen Heinrich II. anstrebte. Von seinen engsten Gefolgsleuten verlangte er einen Treueid. William Marshal zählte zu denjenigen, die blieben und Heinrich dem Jüngeren ihre Treue zusicherten. Bedenkt man, dass er zuvor dem Gefolge von Königin Eleonore angehört hatte und diese oft als treibende Kraft hinter dem Aufstand ihres Sohnes gegen den eigenen Vater gesehen wird, wäre es sogar denkbar, dass er als eine Art Agent in ihrem Auftrag handelte. Marshals genaue Rolle bei der Planung der Rebellion lässt sich jedoch kaum noch rekonstruieren, auch die Histoire de Guillaume le Maréchal schweigt sich darüber aus. Der junge Heinrich schmiedete eine breite Allianz gegen Heinrich II., der unter anderem die Könige von Frankreich und Schottland angehörten, und bereits im Sommer 1173 befand sich das angevinische Reich im Bürgerkrieg. Zweifellos stand William Marshal seinem Waffenschüler in den Kämpfen mit Rat und Tat zur Seite. Heinrich II. gelang es schließlich jedoch, die Rebellion seines Sohnes niederzuschlagen und im Herbst 1174 musste dieser sich zu den Bedingungen seines Vaters unterwerfen. 

Von da an behielt Heinrich II. seinen Sohn genau im Auge und William Marshal wie auch die übrigen Ritter im Gefolge des jungen Königs waren zur Inaktivität verdammt. Erst 1176 gestattete der König es dem jungen Heinrich, sich aus dessen Reichweite zu entfernen, um seinem Bruder Richard, der inzwischen Graf von Poitou und Herzog von Aquitanien war, bei der Niederschlagung eines Aufstandes zur Seite zu stehen. So kehrte auch William Marshal nach Aquitanien zurück. Gemeinsam mit seinem Herrn und Waffenschüler sowie weiteren Rittern aus dessen Gefolge wandte er sich nun wieder zunehmend dem Turnierwesen zu.

Sowohl der junge König als auch William Marshal genossen die Anerkennung, die sie durch die erfolgreiche Teilnahme an den Turnieren erhielten. Für Marshal muss es wohl eine der erfüllendsten Zeiten seines Lebens gewesen sein, was sich unter anderem daran zeigt, dass ihr ein verhältnismäßig großer Teil der Histoire de Guillaume le Maréchal gewidmet ist. Auch wenn er bereits zuvor an Turnieren teilgenommen hatte, war er bislang keinesfalls eine Berühmtheit unter den Turnierrittern und auch nun mussten er und sein Herr zu Beginn einige Niederlagen einstecken. Zunächst ließ die Disziplin in der Gruppe stark zu wünschen übrig, doch nach und nach formte sich aus ihr ein Team, dessen Angehörige ihre Fähigkeiten kontinuierlich verbesserten. Marshal übernahm zunehmend die Rolle des Strategen und Taktikers, wenngleich er dazu teilweise die Turnierregeln zu seinen Gunsten auslegte und zurechtbog. So erzielte das Team des Königs seinen ersten großen Turniererfolg, indem man behauptete, gar nicht an den Kämpfen teilnehmen, sondern nur zusehen zu wollen, nur um dann ganz unerwartet doch noch anzugreifen: „Danach kam der König zu keinem [Turnier] mehr, ohne von diesem Trick oder Schwindel Gebrauch zu machen”, berichtet Williams Biograf in der Histoire. Dieses Vorgehen schien von den Zeitgenossen wohl akzeptiert worden zu sein. Heinrich, William Marshal und ihre Kampfgenossen erzielten mehr und mehr Erfolge und galten bald als ernstzunehmende Gegner im Turnierwesen. Diese Zeit festigte auch das Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern und so schreibt Marshals Biograph in der Histoire de Guillaume le Maréchal, dass „der König [William] von Herzen liebte, mehr als irgendeinen anderen Ritter”. Diese herausragende Position Marshals wird auch dadurch gezeigt, dass er in Urkunden Heinrichs auf der Zeugenliste an erster Stelle unter dem militärischen Gefolge zu finden ist. Doch Marshal nahm nicht nur gemeinsam mit dem jungen König an Turnieren teil, sondern war auch auf eigene Faust erfolgreich. So machte er durch die Gefangennahme zahlreicher Gegner reiche Beute, erwarb großen Ruhm und machte sich einen Namen als gefeierter Turnierritter. Als Höhepunkt von Williams Turnierkarriere ist wohl seine Teilnahme am Turnier in Lagny (1179) anlässlich der Krönung des französischen Thronfolgers Philipp II. von Frankreich (1165-1223) zu sehen, das zu den prachtvollsten und spektakulärsten Veranstaltungen seiner Zeit zählte.

Doch nach über zehn Jahren als enger Vertrauter des jungen Königs Heinrich kam es schließlich zum Zerwürfnis zwischen den beiden: In Heinrichs Gefolge breiteten sich Gerüchte aus, William Marshal habe ein Verhältnis mit dessen Ehefrau Marguerite. Diese kamen natürlich auch dem jungen König zu Ohren und Marshal verlor die Gunst und Freundschaft seines Herrn. Ob die Gerüchte der Wahrheit entsprachen oder nicht, lässt sich nur schwer überprüfen. Weder über das Sexualleben William Marshals noch Marguerites überliefern die Quellen Informationen. Die Histoire de Guillaume le Maréchal erhebt gar Anschuldigungen gegen andere Ritter aus dem Gefolge des Königs, diese Gerüchte absichtlich und aus Neid gestreut zu haben, um einen Keil zwischen William und seinen Herrn zu treiben. Die verhältnismäßig milde Reaktion Heinrichs, der seinen ehemaligen Vertrauten lediglich mit Verachtung strafte, spricht dafür, dass Zweifel an den Gerüchten angebracht sind. Im Rahmen des Weihnachtshofes 1182 versuchte Marshal, eine Versöhnung mit dem jungen Heinrich herbeizuführen und seine Unschuld in einem Gerichtskampf zu beweisen, was dieser jedoch strikt ablehnte, sodass William den Hof verlassen musste. 

William Marshal war nun Mitte Dreißig und wieder ohne Dienstherrn. Er besaß jedoch einen guten Ruf als Turnierkämpfer und schlug sich eine Weile auf eigene Faust durch, unternahm eine Pilgerreise nach Köln und kehrte wohl im April 1183 nach Frankreich zurück. Dort erreichte ihn eine Nachricht des jungen König Heinrich: Er habe Zweifel an Marshals Affäre mit Marguerite und wolle ihn wieder in sein Gefolge aufnehmen. Dieser Sinneswandel lag möglicherweise in der Tatsache begründet, dass Heinrich sich inzwischen im Krieg mit seinem eigenen Bruder, Richard, dem Herrscher von Aquitanien, befand und jede Hilfe brauchen konnte. William nahm das Versöhnungsangebot seines alten Herren an und stieß wohl im Laufe des Mai zu ihm und seinen Truppen. Ende desselben Monats erkrankte der junge Heinrich jedoch zunächst an Fieber, und sein Zustand wurde zunehmend kritisch. Am 11. Juni 1183 starb Heinrich der Jüngere und noch auf dem Totenbett bat er William Marshal seinen Umhang “zum Heiligen Grab zu tragen und damit [s]eine Schulden vor Gott zu zahlen”.

Mit dem Tod seines langjährigen Freundes und Herren hatte Marshal einen Auftrag erhalten. Um seine Reise ins Heilige Land wird es im nächsten Teil dieser kurz!-Reihe gehen.

Zum Weiterlesen:


Asbridge, Thomas, Der Größte Aller Ritter und die Welt des Mittelalters, Stuttgart 2015.
Duby, Georges, Guillaume le Maréchal oder der beste aller Ritter, Frankfurt am Main 1986.

Sonntag, 3. Februar 2019

William Marshal - Der größte aller Ritter: Teil 1 - Aufstieg in den königlichen Dienst

Abbildung von William Marshal in der Historia Major von Matthew Paris (um 1200-1259), https://commons.wikimedia.org/wiki/William_Marshal,_1st_Earl_of_Pembroke#/media/File:Matthew_Paris_-_William_Marshal.jpg

Diese Abbildung zeigt den anglonormannischen Ritter William Marshal (um 1147-1219), den schon mittelalterliche Chronisten als „größten aller Ritter” bezeichneten. Über sein Leben wissen wir heute vor allem das, was in der Histoire de Guillaume le Maréchal, einer Versbiografie, steht, die kurz nach seinem Tod basierend auf den Erinnerungen seines Knappen verfasst und erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Die Histoire beschreibt das außergewöhnliche Leben eines Mannes, dem es gelang, vom einfachen Ritter zum Vertrauten der englischen Könige aufzusteigen. Mit diesem bemerkenswerten Leben wollen wir uns in dieser kurz!-Reihe beschäftigen. Dabei soll es im ersten Teil um seine Kindheit und Jugend sowie schließlich den Aufstieg William Marshals zum Waffenlehrer König Heinrichs des Jüngeren (1155-1183) gehen.

Sonntag, 20. Januar 2019

Bartholomäus Metlinger und sein ‚Kinderbüchlein‘

Als 1473 in Augsburg sein Kinderbüchlein im Druck erschien, hatte Bartholomäus Metlinger damit nicht nur die erste Kinderheilkunde in deutscher Sprache veröffentlicht, sondern auch ein Buch verfasst, dass schon kurz nach Erscheinen überregionale Bekanntheit erlangte und zu einem der „einflussreichsten Pädiatrieschriften der Zeitenwende“ (Zapf 2015, Sp. 896) werden sollte. In unserem heutigen kurz!-Artikel sollen nicht nur die medizinisch-heilkundlichen und pädagogischen Inhalte des Kinderbüchleins, sondern auch sein Verfasser Bartholomäus Metlinger vorgestellt werden.

Titelbild der Ausgabe des Kinderbüchleins von 1497 (Drucker: Hans Schaur)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bartholomäus_Metlinger#/media/File:B._Metlinger_1497.jpg

Sonntag, 28. Oktober 2018

Brun – Erzbischof von Köln und Herzog Lothringens

Heinrich (876 bis 936), Herzog Sachsens und als erster Sachse späterer König des ostfränkischen Reiches, zeugte neben Thankmar, Sohn aus seiner ersten Ehe mit Hatheburg, drei weitere Söhne mit Mathilde: Otto, Heinrich und Brun. Für den wahrscheinlichen Fall von Auseinandersetzungen zwischen den vier Söhnen nach dem Ableben des Vaters, sorgte dieser im Jahr 929 mit einer Nachfolgeregelung („Hausordnung von 929“) vor (genauer nachzulesen   hier). Sein erstgeborener Sohn aus zweiter Ehe, Otto, sollte ihm als König nachfolgen. Trotz dieser eindeutigen Nachfolgeregelung kam es anfänglich zu Konflikten zwischen einzelnen Brüdern, die Herrschaft Ottos konnte aber dennoch stabilisiert und ausgebaut werden. In diesem kurz!-Artikel das außergewöhnliche Leben des drittgeborenes Sohnes Brun (Mai 925 bis 11. Oktober 965)  aus zweiter Ehe betrachtet werden, denn dieser Brun sollte nicht nur geistlicher, sondern gleichzeitig auch weltlicher Herrscher werden. Wie er diesen Spagat meisterte und zu einem hochangesehenen Mann sowie Unterstützer seines Bruders Otto wurde, wird in diesem Artikel thematisiert.

Darstellung Bruns in St. Andreas (Köln) / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/K%C3%B6ln-St-Andreas-Erzbischof-Brun-105.JPG

Sonntag, 29. Juli 2018

Adelheid von Burgund - Königin, Kaiserin und consors regni


Nicht eine war vordem ihr gleich,
So hob und mehrte sie das Reich.
Die trotzige Germania,
Die fruchtbare Italia
Und ihre Fürsten untergab
Sie Romas Schwert und Herrscherstab.
Der edle König Otto dann
Durch sie den Kaiserthron gewann.
Der Sohn auch, den sie ihm gebar,
Des Reiches Stolz und Zierde war.

(aus: Odilo von Cluny, Das Leben der Kaiserin Adelheid, https://de.wikisource.org/wiki/Das_Leben_der_Kaiserin_Adalheid.)


Diese Verse schrieb der Cluniazensermönch Odilo von Cluny (961/62-1049) in seiner Lebensbeschreibung Adelheids von Burgund (932/933-999).  Nicht nur in diesen Zeilen, sondern auch in anderen Werken, die sich mit ihrem Leben befassen, sind Autoren voll des Lobes für sie und auch ihre Heiligsprechung weniger als 100 Jahre nach ihrem Tod zeigt, welch großes Ansehen sie genossen haben muss. Doch war sie keinesfalls nur die Gattin des großen römisch-deutschen Kaisers Otto I. (912-973), sondern hatte über weite Strecken eine Machtposition inne, die es ihr erlaubte, die Politik des Reiches mitzugestalten. Nicht zuletzt verdankte Otto ihr, wie auch Odilo von Cluny es in seinen Versen andeutet, seine Erlangung der Kaiserkrone. Mit dieser bemerkenswerten Frau und ihrem Leben beschäftigt sich unser heutiger kurz!-Artikel.

Sonntag, 8. April 2018

Die Königsmarck-Affäre

„Wer geht so spät zu Hofe, / Da alles längst im Schlaf? / Im Vorsaal wacht die Zofe – Schon naht der schöne Graf. / Er sprach: „Eh ich nach Frankreich geh, / Muß ich sie noch umarmen, / Prinzessin Dorothee.““ So beginnt ein Volkslied, das in Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg überliefert ist. Es handelt von der verbotenen Liebesbeziehung zwischen der verheirateten Kurprinzessin und Herzogin Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg (1666-1726) mit dem hannoverschen Offizier Philipp Christoph Graf von Königsmarck (1665-1694), die 1694 schließlich in der Ermordung des Grafen und lebenslanger Gefangenschaft für die Herzogin endete. In unserem neuen Artikel beschäftigen wir uns mit diesem Skandal am Hof von Hannover, den Hintergründen der Affäre und den Personen, die die Geschehnisse maßgeblich beeinflussten.

Sophie Dorothea mit ihren Kindern, Öl auf Leinwand, Jacques Vaillant, Hannover 1691 (?).  
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0e/Sophie_Dorothea_Prinzessin_von_Ahlden.jpg

Sonntag, 25. Februar 2018

„Per tot discrimina rerum“ – Kaiser Maximilian I.

Während seiner Herrschaft gab es Ereignisse, die die Welt grundlegend veränderten – der Fall von Konstantinopel 1453, die Entdeckung der Neuen Welt 1492, die Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts, die Entdeckung des Buchdrucks – und die ihn zu einem Kaiser zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit machten. Die Rede ist von Kaiser Maximilian I., dessen Leben, das sich gut mit seinem Wahlspruch „Per tot discrimina rerum“ („Durch so viele Gefahren“) beschreiben lässt, im Mittelpunkt dieses kurz!-Artikels stehen soll. 

Kaiser Maximilian I., gemalt von Albrecht Dürer (1519)
(https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_I._(HRR)#/media/File:Albrecht_Dürer_-_Portrait_of_Maximilian_I_-_Google_Art_Project.jpg)

Sonntag, 28. Januar 2018

Das Gegenkönigtum Rudolfs von Rheinfelden

Gestern, am 27. Januar, jährte sich die Schlacht bei Flarchheim zum 938. Mal. Flarchheim, eine kleine Gemeinde südlich von Mühlhausen in Thüringen, bot im Jahre 1080 die Kulisse für eine der kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Heinrich IV. (König ab 1056, Kaiser von 1084 bis 1105) und dem von den Fürsten des Reiches gewählten Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden (Gegenkönig von 1077 bis 1080). Der Konflikt zwischen diesen beiden Männern war eine Folge der jahrelangen Streitereien zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. (Papst von 1073 bis 1085) im Investiturstreit und den dadurch entstandenen Unruhen im Reich. Dieser Artikel beleuchtet die Vorgeschichte des Konflikts sowie die Schlachten in Flarchheim und bei Hohenmölsen, die über die Zukunft des Königtums entschieden sollten. Darüber hinaus werden die Gründe zur Wahl Rudolfs als Gegenkönig sowie schließlich der Ausgang des Konflikts vorgestellt.
 
Die Grabplatte Rudolfs im Dom von Merseburg/ Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Grabplatte_Rudolf_von_Rheinfelden_Detail.JPG

Sonntag, 22. Oktober 2017

Nicolas Ferry – Zwerg am Hof des polnischen Königs

In der Frühen Neuzeit gab es an einigen europäischen Höfen das offizielle Amt des Hofzwerges, das kleinwüchsige Menschen – Männer und Frauen – innehaben konnten. Herrscher schmückten sich häufig mit ihnen, da diesen auf der einen Seite besondere Fähigkeiten zugeschrieben wurden. Auch galten sie als Glücksbringer, weshalb Adelige sie gerne in ihrer Nähe wussten. Auf der anderen Seite umgab Kleinwüchsige aber vor allem der Reiz des Skurrilen und Exotischen, weshalb sie an den Höfen wie Sammelobjekte und Besitztümer der Herrschenden behandelt wurden. Es galt als ein Zeichen von Reichtum und Macht, wenn Regierende ungewöhnlich gestaltete Menschen zu ihrem Hofstaat zählen konnten. In diesem kurz!-Artikel soll darum mit Nicolas Ferry (1741-1764), dem Hofzwerg des polnischen Königs Stanislaus I. Leszczyński (1677-1766), eines der bekanntesten Beispiele  vorgestellt werden.

Gemälde von Nicolas Ferry mit einem Bild des polnischen Königs, unbekannter Maler, 18. Jahrhundert
https://en.wikipedia.org/wiki/Nicolas_Ferry#/media/File:Nicolas_Ferry_-_NEAPOLITAN_SCHOOL.jpg

Sonntag, 21. Mai 2017

Hieronymus Brunschwig und sein „buch der Cirurgia“

Als der Straßburger Drucker Johann Grüninger im Juli 1497 eine Inkunabel mit dem Titel Dis ist das buch der Cirurgia. Hantwirckung der wundartzny herausgab, war damit das erste gedruckte Chirurgiebuch in deutscher Sprache erhältlich geworden. Zudem beinhaltet die vom Straßburger Wundarzt Hieronymus Brunschwig verfasste Inkunabel fast 50 ganzseitige und zahlreiche kleinere Abbildungen, die es zum ersten so vielfältig illustrierten Medizinbuch machten. In unserem heutigen kurz!-Artikel soll nicht nur diese spätmittelalterliche Hantwirckung der wundartzny, sondern auch ihr Straßburger Verfasser im Mittelpunkt stehen. 

Titelblatt der Cirurgia Brunschwigs mit der Darstellung eines 'Wundenmanns'
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/b/b3/Brunschwig_1497.jpg

Sonntag, 7. Mai 2017

Justina Siegemund – Eine Hebamme und ihr Lehrbuch

Auch wenn es sich bei dem Beruf der Wehe-Mutter oder Hebamme um einen der ältesten Frauenberufe überhaupt handelt, sind doch für die Frühe Neuzeit nur wenige Hebammen namentlich bekannt. Eine Ausnahme stellt Justina Siegemund dar, der es nicht nur gelang, zur Hofhebamme am kurfürstlichen Hof von Brandenburg aufzusteigen, sondern auch das 1690 veröffentlichte erste deutsche Lehrbuch für Hebammen zu verfassen. In unserem neuesten Artikel soll das Leben dieser außergewöhnlichen Frau sowie ihr Werk näher vorgestellt werden.

Frontispiz von 1752.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d0/Justina_Siegmundin1.jpg

Sonntag, 23. April 2017

Die Liudolfinger - Wie ein sächsisches Adelsgeschlecht den Aufstieg zum Königtum meisterte

Der Vorharz-Leine-Raum im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt war einst das Stammesgebiet einer der wichtigsten Familien des „deutschen“ Früh- und Hochmittelalters. Die nach dem Stammesvater Liudolf benannten Liudolfinger stellten mit Heinrich I. ab 919 den ostfränkischen König und mit Otto dem Großen ab 962 das weltliche Oberhaupt, den römischen Kaiser. Der Aufstieg dieser sächsischen Adelsfamilie war nicht nur ein Ergebnis des Strebens nach Macht, sondern basierte auch auf einer Reihe von schicksalhaften Ereignissen und Zufällen. Der Geschichte König Heinrichs I. und seinem persönlichen Weg zum Königtum sind wir bereits in einem anderen Artikel nachgegangen. In diesem Artikel soll der Weg bis zu Heinrichs Königtum genauer in den Blick genommen werden. Der Aufstieg der Liudolfinger, die aufgrund der späteren Kaiser Otto I., II. und III. von der Forschung auch als Ottonen tituliert werden, ist der Prototyp einer Erfolgsgeschichte und zeigt die Möglichkeiten und Wege von Adelshäusern, in der Machthierarchie aufzusteigen. 

 
Verwandtschaftstafel der Ottonen in einer Handschrift der Chronica Sancti Pantaleonis aus dem frühen 13. Jahrhundert / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5e/StammtafelOttonen0002.jpg

Sonntag, 26. März 2017

Eine Eheaffäre im 9. Jahrhundert – Engeltrude und Boso

Es ist egal, ob man den Fall Lothars II. betrachtet, der sich zugunsten seiner Konkubine Waldrada um die Scheidung von seiner Ehefrau Theurberga bemühte, oder die Angelegenheiten von Ludwig dem Stammler, der seine Ehefrau verstieß, um in zweiter Ehe Adelheid zu heiraten, und Judith von Flandern, die ohne Einverständnis ihres Vaters, Karl dem Kahlen, Balduin von Flandern heiratete, es lassen sich zahlreiche solcher Angelegenheiten im 9. Jahrhundert verzeichnen. Besonders der Fall Judiths zeigt, dass es im Frühmittelalter auch Frauen gab, die für ein selbstbestimmtes Leben innerhalb der patriarchalischen Gesellschafts- und Familienstrukturen kämpften. Im Mittelpunkt unseres heutigen kurz!-Artikels steht ein weiterer Fall, der zu den „berühmten Eheaffären des 9. Jahrhunderts“ gezählt werden kann und in dem es auch eine Frau war, die über Jahrzehnte alles dafür tat, ihr Leben nach eigenem Willen zu gestalten. 

Sonntag, 12. Februar 2017

Die Ehefrauen Heinrichs VIII., Teil VI: Catherine Parr


Portrait von Hans Holbein the Younger, 1542,
 https://commons.wikimedia.org/wiki/Henry_VIII_of_England?uselang=de#/media/File:Hans_Holbein_d._J._048.jpg

Dieses Bild zeigt den schon fast legendären englischen König Heinrich VIII. (1491-1547) im Jahr 1542. Bekannt wurde er unter anderem dafür, dass er die Reformation in England entscheidend vorantrieb, aber auch für seine insgesamt sechs Ehen, von denen zwei mit der Enthauptung seiner Gattinnen endeten. Während meistens Heinrich selbst im Fokus der Aufmerksamkeit steht, werden wir uns in unserer kurz!-Reihe mit seinen Ehefrauen beschäftigen. Im letzten Teil der Reihe soll es nun also um seine sechste und letzte Ehefrau Catherine Parr (1512-1548) gehen. 

Sonntag, 18. September 2016

Ambroise Paré – Wegbereiter der modernen Chirurgie

In der Geschichte waren es häufig Zufälle oder unübliche Vorgehensweisen in Krisen- und Notsituationen, die Entdeckungen und Fortschritte im Bereich der Medizin nach sich zogen. In unserem heutigen Artikel soll es um den französischen Chirurgen Ambroise Paré (um 1510-1590) gehen, der – auf den Schlachtfeldern seiner Zeit tätig – zahlreiche medizinische Methoden revolutionierte, neue chirurgische Instrumente erfand und durch sein Können und seine Einfälle schließlich zum Hofchirurgen mehrerer Könige aufstieg.

Ambroise Paré, Porträt aus Deux livres de chirurgie (1573)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c7/Ambroise_Par%C3%A9_1573.jpg

Sonntag, 26. Juni 2016

Wilhelmine von Grävenitz – Aufstieg und Fall einer Mätresse

Dass Herrschende in der Frühen Neuzeit Mätressen hatten und diese teilweise über immensen politischen Einfluss verfügten, war keine Seltenheit. Madame de Pompadour, Mätresse des französischen Königs Ludwig XV., ist hierfür wohl das bekannteste Beispiel. Dabei waren jene Frauen aber auch stets der Gefahr ausgesetzt, den gerade gewonnenen Einfluss genauso schnell wieder zu verlieren. In unserem heutigen Artikel beschäftigten wir uns mit Wilhelmine von Grävenitz (1685-1744), die als Mätresse des Württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig (1676-1733) einen enormen gesellschaftlichen und politischen Aufstieg erlebte, bevor sie durch einen plötzlichen Todesfall in der Familie des Herzogs ihrer Stellung und ihres Ansehens beraubt wurde.

Sonntag, 5. Juni 2016

Der Elefant Abul Abaz

Als der jüdische Kaufmann und Dolmetscher Isaak mit einer kleinen Delegation des abbasidischen Kalifen Hārūn ar-Raschīd (Kalif von 786 bis 809) am 20. Juli 802, zwei Jahre nach der Verleihung der Kaiserwürde an Karl den Großen (747-814, Kaiser ab 800), eines der Tore der Kaiserpfalz Aachen durchquerte, wurde er dabei vom Elefanten Abul Abaz begleitet. Die Einwohner müssen nicht schlecht gestaunt haben, hatten sie ein solch exotisches und außergewöhnliches Wesen bis dahin garantiert noch nie gesehen. In unserem Artikel deuten wir die wenigen Quellenaussagen, erörtern die Hintergründe dieses wertvollen Geschenks und entkräften einige Mythen und Legenden, die sich um den Elefanten ranken.


Sonntag, 27. März 2016

Die Ehefrauen Heinrichs VIII., Teil V: Catherine Howard


Portrait von Hans Holbein the Younger, 1542,
 https://commons.wikimedia.org/wiki/Henry_VIII_of_England?uselang=de#/media/File:Hans_Holbein_d._J._048.jpg

Dieses Bild zeigt den schon fast legendären englischen König Heinrich VIII. (1491-1547) im Jahr 1542. Bekannt wurde er unter anderem dafür, dass er die Reformation in England entscheidend vorantrieb, aber auch für seine insgesamt sechs Ehen, von denen zwei mit der Enthauptung seiner Gattinnen endeten. Während meistens Heinrich selbst im Fokus der Aufmerksamkeit steht, werden wir uns in unserer kurz!-Reihe mit seinen Ehefrauen beschäftigen. Im Mittelpunkt des fünften Teils dieser Reihe steht Catherine Howard (zwischen 1521 und 1525-1542), die Heinrich VIII. 1540 nach der Scheidung von Anna von Kleve zu seiner fünften Ehefrau machte.