Sonntag, 9. Dezember 2018

Die Peinliche Gerichtsordnung Karls V. von 1532

Ende des 15. Jahrhunderts häuften sich auf den Reichstagen die Klagen über zu Unrecht verhängte und ausgeführte Todesurteile durch Fürsten, Reichsstädte und andere Obrigkeiten. Um dieser Willkür entgegenzuwirken, beschloss 1498 der Reichstag zu Freiburg, eine „gemeine Reformation und Ordnung im Reiche vorzunehmen, wie man mit criminalibus prozedieren soll“. Bis diese neuen Regeln allerdings ausgearbeitet waren, vergingen noch über 30 Jahre. Am Ende dieses Prozesses stand die sogenannte Constitutio Criminalis Carolina, die „Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V.“. Sie gilt heute als erste allgemeine, deutsche Prozessordnung und entfaltete bis zu den Strafrechtsreformen des 18. und 19. Jahrhunderts ihre Wirkung. Mit der Entstehung, dem Inhalt und der Bedeutung des Textes wird sich unser heutiger kurz!-Artikel beschäftigen.

Titelblatt einer Ausgabe der Constitutio Criminalis Carolina von 1577, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ac/De_Constitutio_criminalis_Carolina_%281577%29_01.jpg

Sonntag, 25. November 2018

‚dar verkledden und vermummeden sich knechte und magede‘ – Karneval im Norden

Vielerorts wurde vor zwei Wochen am Elften im Elften um 11:11 Uhr die neue Karnevals-, Fastnachts- oder Faschingssession eröffnet – je nach Region können die Bezeichnungen variieren. Das Ausrufen des Karnevals ist damit der Startschuss für zahlreiche folgende Feiern, Karnevalssitzungen und Vorstellungen von Prinzenpaaren. Ihren Höhepunkt erreicht die Session im nächsten Jahr, wenn am Rosenmontag, dem Montag vor Aschermittwoch, in zahlreichen Städten Karnevalsumzüge veranstaltet werden. Auch im Mittelalter gab es in vielen Orten Karnevalsfeierlichkeiten; in Nürnberg wurde der ‚Schembartlauf‘ – ein anfänglich von den Nürnberger Metzgern organisierter Maskenumzug – veranstaltet, aber auch in Braunschweig und Hildesheim gab es ähnliche Festlichkeiten. Karneval feierte man aber auch im noch ‚höheren Norden‘ – in Riga. Eine in mittelniederdeutscher Sprache verfasste Fastnachtsordnung aus dem Jahr 1510 vermittelt einen Eindruck davon, wie die so genannten ‚Schwarzhäupter‘, eine Vereinigung von unverheirateten Kaufleuten am Ende des Spätmittelalters bzw. zu Beginn der Frühen Neuzeit, die Karnevalszeit feierte und die damit verbundenen Festivitäten organisierte. Die 216 Punkte umfassende Fastnachtsordnung der Schwarzhäupter soll im Mittelpunkt dieses kurz!-Artikels stehen.

Ein Nusswerfer beim Nürnberger Schembartlauf (Nürnberg,  Stadtbibliothek, Solg. Ms. 25.2°, fol. 12)(https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Schembartlauf#/media/File:Nuernberger_Schembartlauf.jpg)

Sonntag, 11. November 2018

Die Tanzwut von 1518

Im 14. und 15. Jahrhundert kam es im Gebiet um die Flüsse Rhein, Mosel und Maas vereinzelt zu sogenannten Tanzwutausbrüchen. Größere Gruppen von Menschen tanzten ohne erkennbare Ursache so lange, bis sie in Ekstase verfielen und teilweise nach einigen Tagen vor Erschöpfung zusammenbrachen oder in seltenen Fällen auch starben. Andere Begriffe, die dieses merkwürdige Phänomen beschreiben, waren Tanzkrankheit, Tanzplage, Tanzsucht, Tanzpest, Choreomanie, im Englischen dancing plague oder im Lateinischen epilepsia saltatoria. Bis heute konnte für diese Ausbrüche keine eindeutige Ursache festgestellt werden, vielmehr gibt es verschiedene Erklärungsansätze und Deutungsversuche. Im Jahr 1374 fand eine solche Tanzwut von Belgien bis zum Oberrhein statt. Die sogenannte Limburger Chronik berichtet darüber: „Anno 1374 Mitte des Sommers erhub sich ein wunderlich Ding auf Erden und sunderlich in Teutschen Landen, auf dem Rhein und auf der Mosel, also daß Leut anhuben zu danzen und zu rasen.“ 1463 sollen sich im Eifelgebiet ähnliche Ereignisse abgespielt haben und schließlich vor genau 500 Jahren im Jahr 1518 in Straßburg. Um die letztgenannte Tanzwut und ihre möglichen Gründe soll es in unserem neuen Artikel gehen.

Die Wallfahrt der der Fallsüchtigen nach Meulebeeck, ein Kupferstich von Hendrik Hondius nach einer Zeichnung von Pieter Bruegels des Älteren aus dem Jahre 1564.  https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fa/Die_Wallfahrt_der_Fallsuechtigen_nach_Meulebeeck.jpg

Sonntag, 28. Oktober 2018

Brun – Erzbischof von Köln und Herzog Lothringens

Heinrich (876 bis 936), Herzog Sachsens und als erster Sachse späterer König des ostfränkischen Reiches, zeugte neben Thankmar, Sohn aus seiner ersten Ehe mit Hatheburg, drei weitere Söhne mit Mathilde: Otto, Heinrich und Brun. Für den wahrscheinlichen Fall von Auseinandersetzungen zwischen den vier Söhnen nach dem Ableben des Vaters, sorgte dieser im Jahr 929 mit einer Nachfolgeregelung („Hausordnung von 929“) vor (genauer nachzulesen   hier). Sein erstgeborener Sohn aus zweiter Ehe, Otto, sollte ihm als König nachfolgen. Trotz dieser eindeutigen Nachfolgeregelung kam es anfänglich zu Konflikten zwischen einzelnen Brüdern, die Herrschaft Ottos konnte aber dennoch stabilisiert und ausgebaut werden. In diesem kurz!-Artikel das außergewöhnliche Leben des drittgeborenes Sohnes Brun (Mai 925 bis 11. Oktober 965)  aus zweiter Ehe betrachtet werden, denn dieser Brun sollte nicht nur geistlicher, sondern gleichzeitig auch weltlicher Herrscher werden. Wie er diesen Spagat meisterte und zu einem hochangesehenen Mann sowie Unterstützer seines Bruders Otto wurde, wird in diesem Artikel thematisiert.

Darstellung Bruns in St. Andreas (Köln) / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/K%C3%B6ln-St-Andreas-Erzbischof-Brun-105.JPG

Sonntag, 14. Oktober 2018

Die Hexenprozesse von Salem

In the latter end of the year 1691, Mr. Samuel Paris, Pastor of the Church in Salem-Village, had a Daughter of Nine, and a Neice of about Eleven years of Age, sadly Afflicted of they knew not what Distempers; and he made his application to Physitians, yet still they grew worse: And at length one Physitian gave his opinion, that they were under an Evil Hand […]. These Children were bitten and pinched by invisible agents; their arms, necks, and backs turned this way and that way, and returned back again, so as it was impossible for them to do of themselves, and beyond the power of any Epileptick Fits, or natural Disease to effect. Sometimes they were taken dumb, their mouths stopped, their throats choaked, their limbs wracked and tormented so as might move an heart of stone, to sympathize with them, with bowels of compassion for them.


So beschrieb der puritanische Geistliche Reverend John Hale (1636-1700), der Zeuge der Ereignisse war, in seinem 1697 erschienenen Werk A Modest Enquiry Into the Nature of Witchcraft die Symptome der beiden ersten Opfer von Hexerei, die in Salem in der englischen Kolonie Massachusetts auftraten. Infolgedessen kam es zu einer Massenhysterie sowie einer Reihe von Hexenprozessen. Mit ihren Gründen, dem Hergang und ihren Folgen wollen wir uns in unserem heutigen kurz!-Artikel beschäftigen. Dabei sollen vor allem die ersten drei Beschuldigten, Tituba, Sarah Good und Sarah Osborne im Vordergrund stehen, deren Befragungen vom 1. bis zum 7. März 1692 stattfanden.

Darstellung der Hexenprozesse von Salem in Pioneers in the Settlement of America von William A. Crafts, 1876, https://cdn.britannica.com/85/115885-050-286DCD84.jpg 

Sonntag, 30. September 2018

'in arte medicine experta' – Jacoba Felicie gegen die Pariser medizinische Fakultät

Auch wenn Frauen im Mittelalter aufgrund der generellen Exklusion von den Universitäten das Studium der Medizin verboten war, gab es Frauen, die sich – ohne je an einer Universität Medizin studiert zu haben – um die medizinische Versorgung erkrankter Mitmenschen kümmerten. Hildegard von Bingen, die sich als Äbtissin und infirmaria (Krankenschwester) selbst um erkrankte Nonnen im von ihr gegründeten Kloster Ruperstberg kümmerte, kann sicherlich als die bekannteste Heilerin des Mittelalters gelten. Daneben gab es jedoch auch andere Frauen, die v.a. in den Städten erkrankte Menschen behandelten. Dass diese Heilerinnen häufig mit großen Widerständen zu kämpfen hatten, zeigt ein juristisches Verfahren, dass im 14. Jahrhundert in Paris gegen Jacoba Felicie angestrengt wurde. Die Pariser Fakultät hatte zwischen 1312 und 1322 gleich mehrere juristische Prozesse gegen Frauen und Männer eingeleitet, die ohne Approbation auf dem Gebiet der Medizin tätig waren. Angeklagt wurde auch Jacoba Felicie, die beschuldigt wurde, in und um Paris mehrere schwer kranke Menschen besucht und widerrechtlich geheilt zu haben. Verlauf und Ausgang dieses juristischen Verfahrens sollen im Vordergrund dieses kurz!-Artikels stehen.

Versammlung der Doktoren der Universität Paris; Illustration aus den Chants royaux,
BNF Paris, Fraçais 1537, fol. 27v (16. Jh.)
(
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/Meeting_of_doctors_at_the_university_of_Paris.jpg)

Sonntag, 16. September 2018

Dietrich Holzschuh oder das Warten auf den Friedenskaiser


Am 13. Dezember 1250 starb Friedrich II. (1194-1250), letzter römisch-deutscher Kaiser aus dem Adelsgeschlecht der Staufer, auf der Burg Castel Fiorentino bei Lucera in Italien. Nach dem Tod des umstrittenen Herrschers, der von päpstlicher Seite unter anderem als Ketzer und Antichrist geächtet worden war, während seine Anhänger in ihm einen herausragenden Herrscher und den zu erwartenden Messias gesehen hatten, gab es schon bald Gerüchte über eine mögliche Wiederkehr des Staufers. Mehrere Personen, die behaupteten, Friedrich II. zu sein, traten vor allem in den deutschsprachigen Gebieten in Erscheinung. Einer von ihnen war Dietrich Holzschuh, auch bekannt als Tile Kolup. Unser neuer Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte des bekanntesten der „falschen Friedriche“ und versucht zu erklären, warum so viele an dem Tod Friedrichs zweifelten und in ihm den sogenannten Friedenskaiser zu erkennen glaubten. 

Friedrich II. mit seinem Falken. Aus seinem Buch De arte venandi cum avibus, Süditalien zwischen 1258 und 1266, Vatikanische Apostolische Bibliothek (Cod. Pal. Lat. 1071, fol. 1v.)  https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/db/Frederick_II_and_eagle.jpg