Sonntag, 17. März 2019

Frauenhäuser in spätmittelalterlichen deutschen Städten

Seit dem 14. Jahrhundert entstanden in den deutschen Städten die ersten Bordelle, die zeitgenössisch auch euphemistisch als frowenhus (Frauenhaus) bezeichnet wurden. Da auch beispielsweise Frauenklöster als Frauenhäuser bezeichnet wurden, suggeriert die Bezeichnung frowenhus zunächst, dass es sich dabei um Herbergen handelte, in denen alleinstehende Frauen Zuflucht finden konnten. Die in einer Stiftungsurkunde aus dem 14. Jahrhundert für ein Frauenhaus in Wien verwendete Bezeichnung vanchnusse leibs vnd sels macht jedoch ganz deutlich, dass solche Frauenhäuser keine Herbergen, sondern vielmehr Zwangseinrichtungen waren, die von Frauenwirten und Frauenwirtinnen unterhalten wurden und in die die in den Städten lebenden Prostituierten häufig gegen den eigenen Willen und mit Gewalt ‚eingewiesen‘ wurden. Im Mittelpunkt dieses kurz!-Artikels sollen die Frauenhäuser in den mittelalterlichen Städten, die Frauen, die in diesen lebten, sowie die Umstände, unter denen die Frauen leben mussten, stehen.

Joachim Beuckelaer: Bordell (1562)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6b/Joachim_Beuckelaer_-_Brothel_-_Walters_371784.jpg

Sonntag, 3. März 2019

Frühneuzeitliche ‚Steinkinder’


Bis zum heutigen Tag kennt die medizinische Forschung weniger als 300 Fälle von sogenannten Lithopädia: um 1880 waren gerade einmal 47 Fälle beschrieben worden. Bei einem Lithopädion handelt es sich um einen abgestorbenen Fötus, der meistens im Mutterleib durch die Aufnahme von Kalk zunächst eingekapselt und anschließend mumifiziert wird. In diesem Artikel soll es zunächst um das Phänomen, seine Ursachen und seine Ausprägungen an sich gehen, bevor dann die Vorstellung dreier frühneuzeitlicher Fälle erfolgt, die im Volksmund häufig als ‚Steinkinder’ bezeichnet werden: das ‚Steinkind von Sens’ in Frankreich (1554 bzw. 1582), das ‚Steinkind von Leinzell’ im heutigen Baden-Württemberg (1674 bzw. 1720) und das ‚Nebelsche Steinkind’ (1713 bzw. 1767), welches nach seinem Entdecker, dem Mediziner und Rektor der Universität Heidelberg Daniel Wilhelm Nebel (1735-1805) benannt wurde.

Sonntag, 17. Februar 2019

Sexualität und Ehe – Sklaverei im Mittelmeerraum III

Testamente, Gerichtsurkunden, Versicherungen, Freikaufverträge und Heiratsverträge geben zahlreiche Hinweise auf die Beziehungen zwischen Sklavenhaltern und ihren Sklaven im Mittelmeerraum während des Mittelalters. Sie zeigen jedoch auch deutlich ihre Machtlosigkeit gegenüber und die Fremdbestimmtheit durch diese.
Neben den in den ersten beiden Teilen der kurz!-Reihe aufgezeigten unterschiedlichen Möglichkeiten der Sklaverei auf legalem oder illegalem Wege zu entfliehen sowie den sehr heterogenen und meist vom Sklavenhalter abhängigen Lebensbedingungen, bis hin zu den Verdienstmöglichkeiten und individuellen Lebensgeschichten, zeichnet sich das Leben der Sklaven naturgemäß durch starke Einschränkungen, Unterdrückung und ein fremdbestimmtes Leben in Gefangenschaft aus. Dies heißt nicht, dass das Leben in Sklaverei menschliche Emotionen, Beziehungen und Sexualität ausschloss. Doch was passierte, wenn Sklavinnen und Sklaven sich verliebten oder körperliche Beziehungen eingehen wollten? Wenn Sklavinnen letztlich sogar schwanger wurden oder heiraten wollten?
In diesem kurz!-Artikel soll ein Überblick über die Lebenswelt und Lebenswirklichkeit der Sklavinnen im Mittelmeerraum mit dem Fokus auf Sexualität, Kinder und Ehe gegeben werden. Dahingehend sollen zunächst die allgemeinen Lebensumstände und Rechte von Sklavinnen im Vergleich zu Dienstmädchen betrachtet werden, um daran anschließend die Sexualität der Sklavinnen, die Möglichkeiten einer Eheschließung und die Konsequenzen des Kinderkriegens zu thematisieren. Schließlich soll ein kurzer Vergleich zwischen dem nördlichen Mittelmeerraum und dem Orient die unterschiedlichen Regelungen im Umgang mit diesen Situationen verdeutlichen.

Sklavenmarkt in Zabid im Jemen, 13. Jahrhundert; Illustration von Yahya ibn Mahmud al-Wasiti / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/Slaves_Zadib_Yemen_13th_century_BNF_Paris.jpg


Sonntag, 3. Februar 2019

William Marshal - Der größte aller Ritter: Teil 1 - Aufstieg in den königlichen Dienst

Abbildung von William Marshal in der Historia Major von Matthew Paris (um 1200-1259), https://commons.wikimedia.org/wiki/William_Marshal,_1st_Earl_of_Pembroke#/media/File:Matthew_Paris_-_William_Marshal.jpg

Diese Abbildung zeigt den anglonormannischen Ritter William Marshal (um 1147-1219), den schon mittelalterliche Chronisten als „größten aller Ritter” bezeichneten. Über sein Leben wissen wir heute vor allem das, was in der Histoire de Guillaume le Maréchal, einer Versbiografie, steht, die kurz nach seinem Tod basierend auf den Erinnerungen seines Knappen verfasst und erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Die Histoire beschreibt das außergewöhnliche Leben eines Mannes, dem es gelang, vom einfachen Ritter zum Vertrauten der englischen Könige aufzusteigen. Mit diesem bemerkenswerten Leben wollen wir uns in dieser kurz!-Reihe beschäftigen. Dabei soll es im ersten Teil um seine Kindheit und Jugend sowie schließlich den Aufstieg William Marshals zum Waffenlehrer König Heinrichs des Jüngeren (1155-1183) gehen.

Sonntag, 20. Januar 2019

Bartholomäus Metlinger und sein ‚Kinderbüchlein‘

Als 1473 in Augsburg sein Kinderbüchlein im Druck erschien, hatte Bartholomäus Metlinger damit nicht nur die erste Kinderheilkunde in deutscher Sprache veröffentlicht, sondern auch ein Buch verfasst, dass schon kurz nach Erscheinen überregionale Bekanntheit erlangte und zu einem der „einflussreichsten Pädiatrieschriften der Zeitenwende“ (Zapf 2015, Sp. 896) werden sollte. In unserem heutigen kurz!-Artikel sollen nicht nur die medizinisch-heilkundlichen und pädagogischen Inhalte des Kinderbüchleins, sondern auch sein Verfasser Bartholomäus Metlinger vorgestellt werden.

Titelbild der Ausgabe des Kinderbüchleins von 1497 (Drucker: Hans Schaur)
https://de.wikipedia.org/wiki/Bartholomäus_Metlinger#/media/File:B._Metlinger_1497.jpg

Sonntag, 6. Januar 2019

Die ‚Blutgräfin‘ Elisabeth Báthory

Im Jahr 1836 verfasste der österreichische Schriftsteller Johann Nepomuk Vogl (1802-1866) eine Ballade mit dem Titel „Die Burgfrau zu Cseitha“. In dieser wird von einem „tiefen Keller“ erzählt, in dem „herzzerschneidend Schreien“ zu hören sei. Auch ist die Rede von einem Eisenkessel, der „zur Nacht gefüllet mit warmem Jungfernblut“ werde. Die dritte und letzte Strophe lautet schließlich folgendermaßen: „Drin badet sich die Schlossfrau auf ihres Zwergen Rat, die Jugend fest zu halten, die dem Verblühen naht, dort wäscht die welken Glieder das tigerhafte Weib und taucht ins Blut der Opfer den sündenvollen Leib.“ Mit der genannten Schlossfrau wird auf die sogenannte ungarische ‚Blutgräfin‘ Elisabeth Báthory (1560-1614) angespielt, die über 600 Mädchen gefoltert und umgebracht haben soll, um mit dem Blut ihrer Opfer ihre eigene Jugend zu erhalten. In diesem Artikel geht es um das Leben Elisabeth Báthorys, ihre begangenen Verbrechen, die Legendenbildung um diese und ihre bis heute anhaltende Rezeption.

Elisabeth Báthory im Alter von 25 Jahren, Porträt von 1585, gilt heute als verschollen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_B%C3%A1thory#/media/File:Elizabeth_Bathory_Portrait.jpg

Sonntag, 23. Dezember 2018

Krönungen, Reisen und Verschwörungen – Geschichtsträchtige Weihnachten

Bald ist es soweit: Es wird Weihnachten gefeiert. Für viele von uns sind das ganz besondere Tage im Jahr, an denen der Geburt Jesu Christi gedacht, gemeinsam mit der Familie gefeiert wird und auch Geschenke und Zuneigung ausgetauscht werden. Anderen eine Freude zu machen, ist für viele Menschen das Ziel der Weihnachtstage.
Im Mittelalter waren diese Weihnachtstage ebenfalls äußerst beliebt, allerdings aus einem anderen Grund. Könige und Kaiser ließen sich verhältnismäßig häufig an den Weihnachtstagen krönen, ob in England, im Frankenreich oder in Polen. Die Intention ist klar, denn wann sonst ließe man sich als Vorzeigechrist besser zum König oder Kaiser krönen, als an einem der höchsten christlichen Feiertage? Doch nicht nur Krönungen, sondern auch andere weitreichende Ereignisse sollten die Weihnachtszeit im Mittelalter prägen: Innovationen in der Reichsverwaltung, Verschwörungen, Morde, Schiffsuntergänge und vieles mehr.
In diesem kurz!-Artikel werden in einem chronologischen Längsschnitt die Weihnachtstage (24. bis 26. Dezember) und exemplarisch dort stattgefundene Ereignisse aus dem Mittelalter in kurzen Abschnitten betrachtet.