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Sonntag, 23. Juni 2019

Alfred der Große gegen die Wikinger – Oder: Wie Alfred den Kuchen verbrennen ließ

Eduard der Ältere, Edmund der Friedfertige, Eduard der Bekenner, Wilhelm der Eroberer, Ludwig der Löwe: Die Reihe englischer Herrscher mit markanten Beinamen ließe sich noch um einige weitere ergänzen. Doch nur ein einziger Herrscher der britischen Inseln erhielt in all den Jahrhunderten von seinem Volk den Beinamen ‚der Große‘: Alfred (848-899). Verehrt für die Vereinigung der angelsächsischen Königreiche und für seinen beinahe aussichtslosen Kampf gegen die invadierenden Wikinger, bekannt für seinen Reformdrang und die Förderung der altenglischen Sprache und Schrift. Alfred verdiente sich diesen Beinamen also nicht nur aufgrund seiner Körpergröße und Statur. Schon den Kindern wird die Legende und das Leben Alfreds erzählt, gilt er doch als derjenige, der dem heutigen England seine Grundstruktur erkämpft und gegeben hat. Einen großen Anteil an seinem Status hat vor allem auch die Legende um die ‚burned cakes‘, bei  der  noch heute die Mehrheit der Engländer hellhörig wird. Dieser kurz!-Artikel befasst sich mit der Geschichte Alfreds, insbesondere dem Beginn seiner Herrschaft, und der Signifikanz der ‚burned cakes‘ für seinen Status als ‚der Große‘.

Alfred der Große in einer mittelalterlichen Handschrift / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6d/Alfred_-_MS_Royal_14_B_VI.jpg

Sonntag, 9. Juni 2019

Der „Fall“ Konstantinopel(s)*

Die Eroberung der byzantinischen Stadt Konstantinopel durch die Osmanen im Jahr 1453 kann ohne Übertreibung als ein Wendepunkt in der Geschichte bezeichnet werden. Für das christliche Europa ebenso wie für das Osmanische Reich stellte der Fall dieser uralten Stadt ein einschneidendes Ereignis dar, sowohl ideologisch als auch realpolitisch. Für das katholische Abendland bedeutete dies, ideologisch gesehen, den Beginn der biblischen Endzeit. Denn gemäß der mittelalterlichen Vier-Reiche-Lehre nach dem Buch Daniel, folgt auf den Untergang der von den Kirchenvätern gedeuteten vier Weltreiche der Babylonier, der Perser, der Griechen und dem Römischen Reiche unweigerlich das Jüngste Gericht. Andererseits, realpolitisch betrachtet, bedeutete es das Wegfallen des für Europa so wertvollen Pufferstaates, welcher zwischen den Osmanen und dem Westen stand. Dies hatte in den folgenden Jahrhunderten gravierende Auswirkungen für das christliche Europa und das Heilige Römische Reich, denn die Eroberung Konstantinopels war erst der Auftakt des folgenden Osmanischen Eroberungszuges. Ausgehend von der neuen Hauptstadt des Osmanischen Reiches führte Sultan Mehmed II. (1432-1481) sein Heer weiter über das Fürstentum der Krimtataren zu den genuesischen Kolonien an der Schwarzmeerküste und dem Kaiserreich Trapezunt. Nach der Eingliederung der letzten freien Fürstentümer in Anatolien zog Mehmed weiter über die Peloponnes und den venezianischen Außenposten Euboa bis nach Albanien. 1480 landete er mit seinem Heer in Italien, wo die Stadt Otranto eingenommen wurde. Gestoppt wurde dieser beeindruckende Eroberungszug letztlich durch Mehmeds unerwarteten Tod im Jahr 1481. In den darauffolgenden Jahrhunderten gelang den osmanischen Herrschern eine ganze Reihe weiterer Eroberungszüge, bis das Reich unter Sultan Süleymann dem Prächtigen (1495-1566) seine größte Ausdehnung erreichte und die Osmanen 1529 vor den Toren Wiens standen.

 
Ausdehnung des Osmanischen Reiches von 1481 bis 1683 / Quelle: wikipedia.de

Sonntag, 14. April 2019

Aufstieg und Niedergang des Tolosanischen Reiches

Die Stadt Toulouse liegt in Südfrankreich am Fluss Garonne und ist heute mit ungefähr 1,3 Millionen Einwohnern (Metropolregion) die viertgrößte Stadt Frankreichs. Die Geschichte der Stadt lässt sich bis in das Jahr 106 v. Chr. zurückverfolgen, als aus dem damaligen Tolosa ein keltischer Goldschatz bei der Rückeroberung durch die Römer von ebenjenen geraubt wurde. Nach der Plünderung wurde Tolosa dem Römischen Reich einverleibt und schließlich zur Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis zwischen Mittelmeer und Atlantik. Anfang des vierten Jahrhunderts sollten die Westgoten, die besonders diese Provinz bevölkerten, gegen die römische Übermacht aufbegehren. Anschließend wurde sogar ein ganzes Reich nach Tolosa benannt – das Tolosanische Reich. Dieses Reich sollte zwar nicht einmal 100 Jahre bestehen, dennoch spiegelt es die Beziehung zwischen dem Weströmischen Reich und weiteren Reichen, bzw. Stammesgebieten in der Spätantike und im Frühmittelalter wider. Dieser kurz!-Artikel beschäftigt sich mit der Entstehung, der Expansion und dem Niedergang des Tolosanischen Reiches.

Entwicklung des Westgotenreichs (rotorange: Ansiedlung der Westgoten in Aquitanien ab 418; orange und hellorange: Ausbreitung des Westgotenreiches bis 507); von 418 bis 507 Tolosanisches Reich / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d7/Visigothic_Kingdom.png/820px-Visigothic_Kingdom.png

Sonntag, 23. Dezember 2018

Krönungen, Reisen und Verschwörungen – Geschichtsträchtige Weihnachten

Bald ist es soweit: Es wird Weihnachten gefeiert. Für viele von uns sind das ganz besondere Tage im Jahr, an denen der Geburt Jesu Christi gedacht, gemeinsam mit der Familie gefeiert wird und auch Geschenke und Zuneigung ausgetauscht werden. Anderen eine Freude zu machen, ist für viele Menschen das Ziel der Weihnachtstage.
Im Mittelalter waren diese Weihnachtstage ebenfalls äußerst beliebt, allerdings aus einem anderen Grund. Könige und Kaiser ließen sich verhältnismäßig häufig an den Weihnachtstagen krönen, ob in England, im Frankenreich oder in Polen. Die Intention ist klar, denn wann sonst ließe man sich als Vorzeigechrist besser zum König oder Kaiser krönen, als an einem der höchsten christlichen Feiertage? Doch nicht nur Krönungen, sondern auch andere weitreichende Ereignisse sollten die Weihnachtszeit im Mittelalter prägen: Innovationen in der Reichsverwaltung, Verschwörungen, Morde, Schiffsuntergänge und vieles mehr.
In diesem kurz!-Artikel werden in einem chronologischen Längsschnitt die Weihnachtstage (24. bis 26. Dezember) und exemplarisch dort stattgefundene Ereignisse aus dem Mittelalter in kurzen Abschnitten betrachtet.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Die Peinliche Gerichtsordnung Karls V. von 1532

Ende des 15. Jahrhunderts häuften sich auf den Reichstagen die Klagen über zu Unrecht verhängte und ausgeführte Todesurteile durch Fürsten, Reichsstädte und andere Obrigkeiten. Um dieser Willkür entgegenzuwirken, beschloss 1498 der Reichstag zu Freiburg, eine „gemeine Reformation und Ordnung im Reiche vorzunehmen, wie man mit criminalibus prozedieren soll“. Bis diese neuen Regeln allerdings ausgearbeitet waren, vergingen noch über 30 Jahre. Am Ende dieses Prozesses stand die sogenannte Constitutio Criminalis Carolina, die „Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V.“. Sie gilt heute als erste allgemeine, deutsche Prozessordnung und entfaltete bis zu den Strafrechtsreformen des 18. und 19. Jahrhunderts ihre Wirkung. Mit der Entstehung, dem Inhalt und der Bedeutung des Textes wird sich unser heutiger kurz!-Artikel beschäftigen.

Titelblatt einer Ausgabe der Constitutio Criminalis Carolina von 1577, https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/ac/De_Constitutio_criminalis_Carolina_%281577%29_01.jpg

Sonntag, 28. Oktober 2018

Brun – Erzbischof von Köln und Herzog Lothringens

Heinrich (876 bis 936), Herzog Sachsens und als erster Sachse späterer König des ostfränkischen Reiches, zeugte neben Thankmar, Sohn aus seiner ersten Ehe mit Hatheburg, drei weitere Söhne mit Mathilde: Otto, Heinrich und Brun. Für den wahrscheinlichen Fall von Auseinandersetzungen zwischen den vier Söhnen nach dem Ableben des Vaters, sorgte dieser im Jahr 929 mit einer Nachfolgeregelung („Hausordnung von 929“) vor (genauer nachzulesen   hier). Sein erstgeborener Sohn aus zweiter Ehe, Otto, sollte ihm als König nachfolgen. Trotz dieser eindeutigen Nachfolgeregelung kam es anfänglich zu Konflikten zwischen einzelnen Brüdern, die Herrschaft Ottos konnte aber dennoch stabilisiert und ausgebaut werden. In diesem kurz!-Artikel das außergewöhnliche Leben des drittgeborenes Sohnes Brun (Mai 925 bis 11. Oktober 965)  aus zweiter Ehe betrachtet werden, denn dieser Brun sollte nicht nur geistlicher, sondern gleichzeitig auch weltlicher Herrscher werden. Wie er diesen Spagat meisterte und zu einem hochangesehenen Mann sowie Unterstützer seines Bruders Otto wurde, wird in diesem Artikel thematisiert.

Darstellung Bruns in St. Andreas (Köln) / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/K%C3%B6ln-St-Andreas-Erzbischof-Brun-105.JPG

Sonntag, 14. Oktober 2018

Die Hexenprozesse von Salem

In the latter end of the year 1691, Mr. Samuel Paris, Pastor of the Church in Salem-Village, had a Daughter of Nine, and a Neice of about Eleven years of Age, sadly Afflicted of they knew not what Distempers; and he made his application to Physitians, yet still they grew worse: And at length one Physitian gave his opinion, that they were under an Evil Hand […]. These Children were bitten and pinched by invisible agents; their arms, necks, and backs turned this way and that way, and returned back again, so as it was impossible for them to do of themselves, and beyond the power of any Epileptick Fits, or natural Disease to effect. Sometimes they were taken dumb, their mouths stopped, their throats choaked, their limbs wracked and tormented so as might move an heart of stone, to sympathize with them, with bowels of compassion for them.


So beschrieb der puritanische Geistliche Reverend John Hale (1636-1700), der Zeuge der Ereignisse war, in seinem 1697 erschienenen Werk A Modest Enquiry Into the Nature of Witchcraft die Symptome der beiden ersten Opfer von Hexerei, die in Salem in der englischen Kolonie Massachusetts auftraten. Infolgedessen kam es zu einer Massenhysterie sowie einer Reihe von Hexenprozessen. Mit ihren Gründen, dem Hergang und ihren Folgen wollen wir uns in unserem heutigen kurz!-Artikel beschäftigen. Dabei sollen vor allem die ersten drei Beschuldigten, Tituba, Sarah Good und Sarah Osborne im Vordergrund stehen, deren Befragungen vom 1. bis zum 7. März 1692 stattfanden.

Darstellung der Hexenprozesse von Salem in Pioneers in the Settlement of America von William A. Crafts, 1876, https://cdn.britannica.com/85/115885-050-286DCD84.jpg 

Sonntag, 30. September 2018

'in arte medicine experta' – Jacoba Felicie gegen die Pariser medizinische Fakultät

Auch wenn Frauen im Mittelalter aufgrund der generellen Exklusion von den Universitäten das Studium der Medizin verboten war, gab es Frauen, die sich – ohne je an einer Universität Medizin studiert zu haben – um die medizinische Versorgung erkrankter Mitmenschen kümmerten. Hildegard von Bingen, die sich als Äbtissin und infirmaria (Krankenschwester) selbst um erkrankte Nonnen im von ihr gegründeten Kloster Ruperstberg kümmerte, kann sicherlich als die bekannteste Heilerin des Mittelalters gelten. Daneben gab es jedoch auch andere Frauen, die v.a. in den Städten erkrankte Menschen behandelten. Dass diese Heilerinnen häufig mit großen Widerständen zu kämpfen hatten, zeigt ein juristisches Verfahren, dass im 14. Jahrhundert in Paris gegen Jacoba Felicie angestrengt wurde. Die Pariser Fakultät hatte zwischen 1312 und 1322 gleich mehrere juristische Prozesse gegen Frauen und Männer eingeleitet, die ohne Approbation auf dem Gebiet der Medizin tätig waren. Angeklagt wurde auch Jacoba Felicie, die beschuldigt wurde, in und um Paris mehrere schwer kranke Menschen besucht und widerrechtlich geheilt zu haben. Verlauf und Ausgang dieses juristischen Verfahrens sollen im Vordergrund dieses kurz!-Artikels stehen.

Versammlung der Doktoren der Universität Paris; Illustration aus den Chants royaux,
BNF Paris, Fraçais 1537, fol. 27v (16. Jh.)
(
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/08/Meeting_of_doctors_at_the_university_of_Paris.jpg)

Sonntag, 2. September 2018

1177 – Der Friede von Venedig

Die Beziehung zwischen den beiden mächtigsten Herrschern der mittelalterlichen Welt, dem Papst und dem Kaiser, gestaltete sich häufig äußert kompliziert. Ob Rangstreitigkeiten um die Position des höchsten geistlichen oder weltlichen Herrschers, Verweigerungen um die Anerkennung oder Aufhebung von Ehen sowie Auseinandersetzungen unter Verbündeten, Konfliktpotential war stets gegeben. Als Hadrian IV. im Jahr 1159 starb, musste ein Nachfolger gewählt werden. Die Wahl des neuen Papstes wurde durch den amtierenden Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122 bis 1190) abgelehnt und ein Konflikt zwischen ihm und dem neuen Papst war quasi unumgänglich. In diesem kurz!-Artikel wird die Papstwahl sowie der Konflikt der mächtigsten Herrscher der Welt und der schließlich geschlossene 1177 Frieden 17 Jahre nach Ausbruch des Konfliktes betrachtet. Gerade der Friedensschluss von Venedig steht im Mittelpunkt dieses Artikels, da einerseits von mehreren Autoren über ihn berichtet wurde, andererseits das Treffen zwischen Papst und Kaiser als ritualisierte Handlungskette in den zeitgenössischen Quellen dargestellt wurde.

Papst Alexander (Mitte) mit Friedrich I. und seiner Frau (Zeichnung 14. Jahrhundert) / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/64/TrioE.jpg

Sonntag, 29. Juli 2018

Adelheid von Burgund - Königin, Kaiserin und consors regni


Nicht eine war vordem ihr gleich,
So hob und mehrte sie das Reich.
Die trotzige Germania,
Die fruchtbare Italia
Und ihre Fürsten untergab
Sie Romas Schwert und Herrscherstab.
Der edle König Otto dann
Durch sie den Kaiserthron gewann.
Der Sohn auch, den sie ihm gebar,
Des Reiches Stolz und Zierde war.

(aus: Odilo von Cluny, Das Leben der Kaiserin Adelheid, https://de.wikisource.org/wiki/Das_Leben_der_Kaiserin_Adalheid.)


Diese Verse schrieb der Cluniazensermönch Odilo von Cluny (961/62-1049) in seiner Lebensbeschreibung Adelheids von Burgund (932/933-999).  Nicht nur in diesen Zeilen, sondern auch in anderen Werken, die sich mit ihrem Leben befassen, sind Autoren voll des Lobes für sie und auch ihre Heiligsprechung weniger als 100 Jahre nach ihrem Tod zeigt, welch großes Ansehen sie genossen haben muss. Doch war sie keinesfalls nur die Gattin des großen römisch-deutschen Kaisers Otto I. (912-973), sondern hatte über weite Strecken eine Machtposition inne, die es ihr erlaubte, die Politik des Reiches mitzugestalten. Nicht zuletzt verdankte Otto ihr, wie auch Odilo von Cluny es in seinen Versen andeutet, seine Erlangung der Kaiserkrone. Mit dieser bemerkenswerten Frau und ihrem Leben beschäftigt sich unser heutiger kurz!-Artikel.

Sonntag, 6. Mai 2018

Die Schlacht von Azincourt - Wie englische Langbögen dem französischen Heer 1415 zum Verhängnis wurden

And on the morrow, that is Friday, on the feast of Sts Crispin and Crispinian, the 25th of October, the French, in the early dawn, arrayed themselves in battle lines, columns, and platoons and took up position in front of us in that field, called the field of Agincourt, across which lay our road towards Calais, and the number of them was really terrifying. And they placed squadrons of cavalry, many hundreds strong, on each flank of their vanguard, to break the formation and resistance of our archers. And that vanguard was composed of dismounted men drawn from all their nobles and the pick of their forces and, with its forest of spears and the great number of helmets gleaming in between them and of cavalry on the flanks, it was a rough guess thirty times more than all our men put together.
So beschreibt der unbekannte Autor der Gesta Henrici Quinti in den Jahren 1416/17 die französischen Truppen unmittelbar vor der Schlacht von Azincourt, rund 40 km südlich von Calais gelegen, in der sich Frankreich und England gegenüberstanden. Deutliche Betonung findet in dieser Beschreibung die Truppenstärke der französischen Streitmacht, die den Angaben des Chronisten zufolge die der Engländer um ein Dreißigfaches überstiegen haben soll. Was laut der Beschreibung beinahe wie ein bereits verlorener Kampf für die Truppen des englischen Königs Heinrich V. (1386-1422) erscheinen mag, sollte zu einem seiner größten Siege werden. Wie es zu der Schlacht kam, wie sie verlief und wie es den Engländern gelang, trotz der französischen Übermacht zu triumphieren, wollen wir in diesem kurz!-Artikel genauer betrachten.


Sonntag, 25. März 2018

Wege in die Gefangenschaft – Sklaverei im Mittelmeerraum

„Artikel 4 (Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandels):
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.“

Seit dem 10. Dezember 1948 haben sich die Mitglieder der UNO der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ verpflichtet. Die darin festgehaltenen Grundrechte umfassen insgesamt 30 Artikel. Einer davon ist der oben zitierte Artikel 4, der das Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandels festgelegt. Anders als in der Gegenwart war die Sklaverei gerade in der Antike und wieder seit dem 15. Jahrhundert ein Massenphänomen und keineswegs verboten, sondern vielmehr ein für viele Menschen lukratives Geschäft. Doch nicht erst im 15. Jahrhundert erlebte die Sklaverei eine Renaissance. Seit dem Hochmittelalter und besonders seit den Kreuzzügen kam es im Mittelmeerraum vermehrt zur Versklavung von Menschen und zu Sklavenhandel. In einer zweiteiligen kurz!-Reihe werden verschiedene Aspekte der Sklaverei im Mittelmeerraum in den Blick genommen. In diesem ersten Artikel sollen die unterschiedlich begründeten Ideologien zur und die verschiedenen Wege in die Sklaverei betrachtet werden. 

Sklavenmarkt in Jemen, 13. Jahrhundert (Sklavenmärkte im Mittelmeerraum glichen diesem Beispiel)  / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/51/Slaves_Zadib_Yemen_13th_century_BNF_Paris.jpg


Sonntag, 18. März 2018

Die Vitalienbrüder - Mehr als Klaus Störtebekers Seeräuberbande

„Es sind schon über fünftehalb hundert Jahre vergangen, da hausete lange Zeit auf der Ostsee eine grausame Bande von Seeräubern, welche sich die Victualien- oder Vitalienbrüder nannten, weil sie nur von Raub und Beute lebten, oder auch Liekendeeler, weil man sagt, daß sie alle Beute zu gleichen Theilen unter sich vertheilt hätten. Die Anführer dieser Bande waren Claus Störtebeck und Michael Gädeke.”

So beginnt Jodocus Temme seine im Jahre 1840 in den „Volkssagen von Pommern und Rügen” erschienene Erzählung über eine „Bande von Seeräubern”, wie er sie nennt, die Vitalienbrüder. Um „Claus Störtebeck”, besser bekannt als Klaus Störtebeker, ranken sich zahllose Sagen und Legenden. Seien es die abenteuerlichen Reisen, auf denen sagenhafte Schätze erbeutet wurden, die Darstellung als eine Art “Robin Hood der Meere”, der die Reichen ausraubte und die Beute mit den Armen teilte oder aber seine legendäre Enthauptung in Hamburg nach der er kopflos an seinen Männern vorbei gelaufen sein soll, um diese vor der Hinrichtung zu retten. Klaus Störtebeker ist wohl der bekannteste der Vitalienbrüder. Doch wer waren die fratres vitalienses und woher kamen sie? Mit diesen Fragen wollen wir uns in diesem kurz!-Artikel beschäftigen.

Sonntag, 14. Januar 2018

Der Seeweg nach Indien: Teil III - Das langersehnte Ziel

In den ersten beiden Teilen unserer kurz!-Reihe über die Suche der Portugiesen nach einem Seeweg nach Indien auf der östlichen Route hatten wir uns mit der Reise Vasco da Gamas (1469-1524) beschäftigt. Dieser war im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel I. (1469-1521) mit einer Flottille im Juli 1497 in See gestochen, hatte in einem spektakulären Manöver und unter einigen Verlusten das Kap der Guten Hoffnung umrundet und die Straße von Moçambique, die zwischen der Afrikanischen Küste und Madagaskar hindurchführt, durchquert. Schließlich waren die Abenteurer am 2. März 1498 in eine Bucht an der Westküste Afrikas eingefahren, wo eine der Karavellen auf eine Sandbank auflief. In unserem heutigen, abschließenden Artikel der Reihe soll es um das letzte Stück der Reise gehen, dass schließlich zum Erreichen Indiens führte. 

Die schwarze Linie markiert die Route, die da Gama und seine Expedition nahmen. In unserem heutigen Artikel geht um die Teilstrecke bis zum Erreichen Moçambiques. https://de.wikipedia.org/wiki/Vasco_da_Gama#/media/File:Caminho_maritimo_para_a_India.png.


Sonntag, 19. November 2017

Der Seeweg nach Indien: Teil II - Vasco da Gamas Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung


Im ersten Teil unserer kurz!-Reihe über die portugiesischen Entdeckungsfahrten entlang der afrikanischen Küste auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien hatten wir uns vor allem mit den beiden Seefahrern Diogo Cão (gest. um 1486) und Bartolomeu Dias (1450-1500) befasst. Ersterer hatte 1484 geglaubt, die Südspitze Afrikas erreicht zu haben, nur um dann feststellen zu müssen, dass er lediglich auf eine große Bucht gestoßen war, während Letzterem 1488 tatsächlich die Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung gelang, bevor er aufgrund von Versorgungsengpässen die Heimreise hatte antreten müssen. Bald darauf hatte sich allerdings auch ein Abenteurer namens Christoph Kolumbus (um 1451-1506) unter Schirmherrschaft Spaniens aufgemacht, um auf der Westroute nach Indien zu segeln. Er war 1493 in dem Glauben zurückgekehrt, sein Ziel erreicht zu haben, ohne zu wissen, dass es sich bei dem Land, auf das er gestoßen war, um einen völlig neuen Kontinent handelte.

Sonntag, 5. November 2017

Der Seeweg nach Indien: Teil I - Erste portugiesische Entdeckungsfahrten, Christoph Kolumbus’ Scheitern vor dem portugiesischen König und die Umschiffung des Kaps der Guten Hoffnung

Im Jahre 1415 hatten portugiesische Truppen unter König Johann I. (1357-1433) die prunkvolle, muslimische Hafenstadt Ceuta geplündert und deren Bevölkerung in religiösem Eifer massakriert. Dabei hatten sie jedoch auch einen ersten Blick auf die Reichtümer Afrikas erhascht, von denen das Land bislang durch eine Barriere aus den muslimischen Reichen Nordafrikas ferngehalten worden war. Bis dato war das ärmliche Königreich Portugal, das an der Peripherie des europäischen Kontinents lag, vom florierenden Handel des Mittelmeeres weitgehend ausgeschlossen. Luxusgüter aus aller Welt gelangten über muslimische Handelsstädte fernab des Reiches nach Europa. Jenseits von Portugal lag nach damaligem Wissensstand nur der weite Ozean. Sollte es gelingen, einen Seeweg nach Indien zu entdecken, so würde dies einen Zugang zur reichen Handelswelt des Subkontinents bedeuten. Dies wurde zu einer der Hauptmotivationen für die portugiesischen Entdeckungsfahrten.

Sonntag, 8. Oktober 2017

Die Sachsenkriege Karls des Großen

Unter Karl dem Großen (747 bis 814) gelangte das Frankenreich zu seiner größten flächenmäßigen Ausdehnung und erlebte seine größte Machtexpansion. So eroberte er 774 das Langobardenreich, er beendete 788 die Autonomie des bayrischen Stammesherzogtums und eroberte in den 790er Jahren auch das Reich der Awaren. Seine vielleicht schwierigste Aufgabe bestand jedoch in der Eingliederung der sächsischen Stämme in das Fränkische Reich. Über mehr als drei Jahrzehnte sollten sich die Sachsen in den Sachsenkriegen erwehren, die über den Status einer Eroberung des Gebietes hinausgingen. Denn die Sachsen hingen dem germanischen Glauben an und wurden von den christlichen Franken als Heiden angesehen. Eine konfliktfreie Lösung erschien also unmöglich, da neben den politischen auch die religiösen Unterschiede einer gewaltfreien Einigung im Wege standen. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den folgenden Fragen: Mit welchen Mitteln sollte Karl der Große die Sachsen letztendlich unterwerfen? Warum erstreckten sich die Auseinandersetzungen über einen solch langen Zeitraum? Welche Konsequenzen hatte die Zerstörung der großen Säule Irminsul? Und wie endete dieser politisch-religiöse Konflikt für beiden Seiten?

Sonntag, 30. Juli 2017

Der Untergang des Weißen Schiffes (1120) und dessen Auswirkungen auf die englische Thronfolge

No ship was ever productive of so much misery to England

So beschreibt der Chronist Wilhelm von Malmesbury (1080/95-um 1143) in seinen Gesta Regum Anglorum (dt. Die Taten der englischen Könige) die Katastrophe, die sich am 25. November 1120 vor der Küste von Barfleur in der Normandie ereignete: Ein neues, und mit der neuesten Technik der Zeit ausgestattetes Schiff, dazu angeheuert, den Nachwuchs des englische Hochadels über den Ärmelkanal zu befördern, lief unmittelbar nach der Abfahrt aus dem Hafen von Barfleur auf einen Felsen auf und sank. An Bord befanden sich auch drei Kinder des englischen Königs, Heinrich I. (1068-1135), unter ihnen sein einziger legitimer Sohn und Nachfolger William Ætheling (1103-1120). Wie bereits vom Chronisten angedeutet, sollte dieses Unglück den Lauf der englischen Geschichte für die folgenden Jahre maßgeblich bestimmen und viel Elend über Land und Leute bringen. Wie es zum Untergang kam und welche langfristigen Folgen dieser hatte, wollen wir in diesem kurz!-Artikel genauer betrachten.

Sonntag, 2. Juli 2017

Die Burchardiflut von 1634

Betrachtet man heute eine Karte der Nordfriesischen Inseln, stößt man unter anderem auf die Insel Pellworm, die Halbinsel Nordstrand sowie die Hallig Nordstrandischmoor. Dies war jedoch nicht immer so: Bis ins 17. Jahrhundert existierte an der Stelle der gerade genannten Inseln die damals 220 km² große Insel Strand, manchmal auch Alt-Norstrand genannt. Im Verlauf einer immensen Sturmflut im Oktober 1634 jedoch wurde diese Insel auseinandergerissen und ganze Teile von ihr versanken im Meer. Da zwei Tage nach der Flut – am 14. Oktober – der Namenstag des Bischofs Burkhard von Würzburg (683-755) gefeiert wurde, wurde sie – wie damals üblich – nach ihm benannt und ging als Burchardiflut in die Geschichte ein. Um dieses Ereignis und das Schicksal der Insel Strand geht es in unserem neuen kurz!-Artikel.

Die Nordfriesischen Inseln heute
http://www.viatoura.de/images/fotoalbum/fotoalbum7/01_nordsee_halligen.jpg

Sonntag, 4. Juni 2017

Jenny Geddes und der Krieg der Stühle

Radierung von Wenceslaus Hollar (1607-1677), https://en.wikipedia.org/wiki/Jenny_Geddes#/media/File:Riot_against_Anglican_prayer_book_1637.jpg

Dieses Bild zeigt eine populäre Szene der Stadtgeschichte von Edinburgh: den sogenannten war of the chairs (Krieg der Stühle) am 23. Juli 1637 in der St. Giles’ Cathedral. In dessen Zuge wurde der Dekan der Kirche von einem wütenden Mob aus Besuchern seines Gottesdienstes mit Stühlen und Wurfgeschossen attackiert. Eine zentrale Rolle spielte dabei, zumindest legendenhaften Erzählungen nach, eine Marktfrau namens Jenny Geddes. Wie es zu diesem Ereignis kam, das sich zu einem stadtweiten Aufstand entwickelte und in einer regelrechten Serie von weiteren Konflikten zwischen England und Schottland gipfelte und welche Rolle Jenny Geddes dabei gespielt hat, soll in diesem kurz!-Artikel genauer untersuchen.