Posts mit dem Label Bild werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bild werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 17. Juli 2016

Wege in die Freiheit – Sklaverei im Mittelmeerraum Teil 1



"Sighting the quarry from the deck of the corsair" - Ölgemälde von Niels Simonsen / Quelle: http://www.wikigallery.org/wiki/painting_286379/Niels-Simonsen/Sighting-the-quarry-from-the-deck-of-the-corsair

Das oben dargestellte Gemälde von Niels Simonsen (1837) zeigt eine für den spätmittelalterlichen Mittelmeerraum typische Szenerie. Zu sehen ist ein auf dem Mittelmeer fahrendes Korsarenschiff aus Nordafrika mit Besatzung. Das Schiff besitzt Kanonen, die Besatzung ist bewaffnet und sichtet im abgebildeten Moment ein anderes Schiff, das überfallen und gekapert werden soll. In einem solchen Fall lauerten die Korsaren, also Seeräuber, die mit einem eigenen, vom Staat unabhängigen, Schiff Handelsschiffe kaperten, besonders reichen Christen auf, die in Geiselhaft genommen und später verkauft werden konnten, oder auch armen Christen, die auf dem Sklavenmarkt ihren Besitzern gutes Geld einbrachten.

Sonntag, 27. September 2015

Das Ritual des Sitzens

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum es geregelte Sitzordnungen in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens gibt? Der Bundestagspräsident sitzt den Abgeordneten vorne in der Mitte und leicht erhöht gegenüber. Die Plätze der Abgeordneten im Bundestag sind ebenfalls nicht zufällig gewählt: Der Fraktionsvorsitzende jeder Partei sitzt in der ersten Reihe. Es gibt keine Partei, die ausschließlich hinter einer anderen sitzt. Das Brautpaar sitzt häufig am Kopf einer Tafel oder an einem separaten Tisch mit Blick auf alle Gäste. Bei den meisten Menschen gibt es zu Hause ebenfalls eine feste Sitzverteilung. Und in China sitzt der Gastgeber oder der Gast mit dem höchsten Status in der Mitte mit Blick nach Osten oder auf den Eingang. Die Form der Tische, ob rund oder lang, ist ebenfalls entscheidend: Runde Tische werden meist gewollt genutzt, um eine Gleichrangigkeit der Personen zu betonen; an länglichen Tischen kann eine Rangordnung dargestellt werden. Solche Beispiele von Sitzordnungen lassen sich endlos weiterführen.
Wo aber liegt der Ursprung dieses allgemein bekannten und manifestierten Rituals? Was genau macht ein Ritual eigentlich aus? Auf Basis welcher Grundregeln wird bestimmt, wer wo sitzen muss? Warum machen sich Personen Gedanken darüber, wo andere sitzen sollen und warum brechen Streitigkeiten der „sitzenden“ Personen untereinander aus? Dieser Artikel widmet sich der Beantwortung dieser Fragen und taucht zeitgleich ein in die Welt des Mittelalters, in der der Ursprung dieses Rituals begründet liegt und auf eine korrekte Sitzordnung noch weitaus mehr Wert gelegt wurde als heute.

Freitag, 5. Juni 2015

100 Wörter – Das Mausoleum Quin Shi Huangdis

 
Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/22/Tomb_of_Emperor_Qin_Shi_Huang.jpg

Der Grabhügel Quin Shi Huangdis nahe Xi'an

Wie eine Landkarte des damaligen Chinas, mit einem Meer und Flüssen aus flüssigem Quecksilber, einem „Himmel“ mit Edelsteinen anstelle von Mond und Sternen, mit Palästen und malerischen Türmen sowie unvorstellbaren Schätzen, beleuchtet von lang brennenden Kerzen aus Walfett - so soll laut der Legende des Historikers Sima Qian (145/135 v. Chr.) das Grab des ersten Kaisers von China aussehen, das von 246 bis 208 v. Chr. erbaut wurde. Außer einer Messung eines erhöhten Quecksilbergehalts im Boden haben die chinesischen Behörden aus wirtschaftlichen Gründen und aus Angst vor möglichen Beschädigungen bislang nicht viel unternommen, um die Legende auf inhärente Wahrheiten zu prüfen.

Sonntag, 10. August 2014

Ecclesia und Synagoga – Die Geschichte zweier Königinnen


In der bildenden Kunst des Mittelalters tauchen immer wieder zwei Frauenfiguren auf - Ecclesia und Synagoga/e -, deren Geschichte in diesem Artikel näher vorgestellt werden soll.

Das sogenannte Ecclesia-Synagoga-Motiv entwickelte sich wohl um 850, das heißt unter der Herrschaft der Karolinger. Dabei standen Ecclesia und Synagoga beinahe immer allegorisch, das heißt bildlich und stellvertretend, für die beiden Religionen Christentum und Judentum. Sie tauchten gemeinsam oder einzeln auf Fresken, als Statuen, in und an Kirchenbauten sowie in Büchern auf. In der Frühzeit des Christentums galten sie dabei zunächst als gleichberechtigte Bräute Christi, was sich auch in ihrer Darstellung widerspiegelte. Beide wurden als starke, erhabene und gekrönte Frauen präsentiert, die sich häufig nur dadurch unterschieden, dass die Ecclesia in einer betenden Haltung gezeigt wurde, während die Kleidung der Synagoga häufig antike Züge aufwies und so auf die längere Existenz des Judentums gegenüber dem Christentum hindeutete.

Sonntag, 20. Juli 2014

Der St. Galler Klosterplan

Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a5/Codex_Sangallensis_1092_recto.jpg


Es gibt nicht wenige Stimmen, die diese Zeichnung als eine der wichtigsten Hinterlassenschaften des Mittelalters bezeichnen und sie in einem Atemzug mit dem Teppich von Bayeux nennen: den St. Galler Klosterplan.

Fünf zusammengenähte Pergamentstreifen, die zusammen eine Fläche von 112 x 77,5 cm ergeben, zeigen bis zu 50 Gebäude, die zum Komplex des Klosters und der zentral abgebildeten Abteikirche gehören. Alleine die Fertigung aus fünf Pergamentstreifen zeigt das Bewusstsein des Auftraggebers etwas Wichtiges herzustellen, denn Pergament war im Mittelalter sehr wertvoll und kostbar; es konnte aber auch einen viel längeren Zeitraum als Papyrus überdauern. Wie wertvoll Pergament war, zeigen auch die Rückseite und der linke, untere Teil der Vorderseite: Dort wurde das Pergament Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts erneut benutzt und mit der Vita des Heiligen Martin beschrieben. Pergament als Beschreibstoff war also so kostbar, dass es sehr häufig mehrmals beschrieben wurde. 

Was aber ist so wichtig, dass es auf diesen fünf Pergamentstreifen gezeichnet werden musste? Und was ist auf diesem Plan abgebildet und wie hilft er uns, das Mittelalter zu verstehen?

Sonntag, 22. Juni 2014

Wilhelm der Eroberer und der Beginn des englischen Mittelalters

Während das Mittelalter bei uns grob auf die Jahre 500 bis 1500 datiert wird und genaue Zeitpunkte des Beginns und des Endes weiterhin Diskussionen ausgesetzt sind bzw. verschiedene Ereignisse als Randpunkte interpretiert werden, ist die Datierung des englischen Mittelalters in der Forschung an zwei feste Ereignisse gebunden: Das englische Mittelalter begann 1066 mit der Eroberung Englands und der Inthronisation des Normannen Wilhelm I. der Eroberer und endete 1485 mit dem Beginn der Tudor-Dynastie. Wie der Titel dieses Artikels verrät, steht hier der Beginn des englischen Mittelalters und damit verbunden die normannische Landnahme durch Wilhelm I. im Mittelpunkt. 

Das englische Mittelalter genießt noch heute einen anderen Stellenwert in England als das Mittelalter in Deutschland: Die großen Fernsehstationen beispielsweise produzieren Dokumentationen, die zur besten Sendezeit ausgestrahlt werden. Und auch wenn Wilhelm der Eroberer einigen Menschen in Deutschland ein Begriff sein wird, sind vielen dennoch nicht die Umstände bekannt, wie Wilhelm erster anglo-normannischer König Englands wurde und was dieses einschneidende Ereignis für Konsequenzen im bisherigen angelsächsischen England nach sich zog. Selbst an deutschen Universitäten ist die englische Geschichte – gerade die der angelsächsischen Zeit (597-1066) und des englischen Mittelalters – eine zu selten behandelte Thematik.

Samstag, 3. Mai 2014

Die Weltkarte von Saint-Sever


http://ocw.unican.es/humanidades/teoria-y-metodos-de-la-geografia.-evolucion-del/material-de-clase-1/archivos-modulo-3/mapas-en-t-y-portulanos/Saint-sever.jpg

Die hier abgebildete Weltkarte Saint-Sever ist ein beeindruckendes Zeugnis des Mittelalters und zeigt in beeindruckender Weise die christlich geprägte Weltanschauung der Menschen zu dieser Zeit. 

Diese Weltkarte ist eine Nachzeichnung und entstand um 1060 in Saint-Sever, einem Kloster in Aquitanien, Frankreich. Das Original dagegen lässt sich nicht genau datieren: Beatus‘ von Liébanas (um 700-798) Werk, ein Kommentar zur erwarteten biblischen Apokalypse, entstand wohl um 776 und enthielt die Vorlage dieser Nachzeichnung. Beatus wurde nach der Flucht aus seiner Heimat im Süden Spaniens ins Königreich Asturien, wo er sich vor der muslimischen Herrschaft sicher fühlte – die Muslimen übernahmen die Herrschaft und sorgten für einen wahren Flüchtlingsstrom aus seiner Heimat –  Mönch und verschrieb sich dem christlichen Widerstand gegen die Herrschaft der Muslime.