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Sonntag, 10. April 2016

100 Wörter - Das Blutgericht zu Cannstatt

Karl Martell teilt das Reich zwischen seinen Söhnen Karlmann und Pippin dem Jüngeren auf.
Buchmalerei in einer Handschrift der Grandes Chroniques de France, Paris, Bibliothèque Nationale, Ms. fr. 2615, fol. 72.
Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e4/Charles_Martel_divise_le_royaume_entre_
Das sogenannte „Blutgericht zu Cannstatt“ besiegelte 746 das Ende des alemannischen Herzogtums. Nach dem Tod des fränkischen Hausmeiers Karl Martell 741 wurde das Frankenreich unter seinen drei Söhnen aufgeteilt, wobei sich Pippin und Karlmann gegen Grifo verbündeten. Die Zentralisierung des Frankenreiches stand im Fokus, denn die Stellung Pippins und Karlmanns wurde durch Aufstände einiger Herzogtümer bedroht: Siege über Bayern, Aquitanien und Alemannien folgten. Im Anschluss an die Niederlage Alemanniens folgte das Blutgericht, infolgedessen tausend alemannische Adlige hingerichtet wurden – eine Fehlinterpretation mehrerer Quellen, bei der die Folgen des Strafgerichts mit einer Notiz über tausende Opfer eines Feldzuges von Karlmann gleichgesetzt wurden.

Freitag, 5. Juni 2015

100 Wörter – Das Mausoleum Quin Shi Huangdis

 
Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/22/Tomb_of_Emperor_Qin_Shi_Huang.jpg

Der Grabhügel Quin Shi Huangdis nahe Xi'an

Wie eine Landkarte des damaligen Chinas, mit einem Meer und Flüssen aus flüssigem Quecksilber, einem „Himmel“ mit Edelsteinen anstelle von Mond und Sternen, mit Palästen und malerischen Türmen sowie unvorstellbaren Schätzen, beleuchtet von lang brennenden Kerzen aus Walfett - so soll laut der Legende des Historikers Sima Qian (145/135 v. Chr.) das Grab des ersten Kaisers von China aussehen, das von 246 bis 208 v. Chr. erbaut wurde. Außer einer Messung eines erhöhten Quecksilbergehalts im Boden haben die chinesischen Behörden aus wirtschaftlichen Gründen und aus Angst vor möglichen Beschädigungen bislang nicht viel unternommen, um die Legende auf inhärente Wahrheiten zu prüfen.

Mittwoch, 6. Mai 2015

100 Wörter - Das Ritual des Hundetragens

Widukind von Corvey, Sachsengeschichte (II, 6,72):
VI. […] Als der König diese Anmaßung vernahm, verurteilte er den Eberhard, als Buße eine Anzahl Pferde zu liefern, im Wert von hundert Pfund, und alle Kriegsobersten, die ihm dabei geholfen hatten, zu der Schande, Hunde zu tragen bis zu der königlichen Stadt Magdeburg.

Hundetragen als Strafe? Für uns klingt es merkwürdig, im Mittelalter jedoch war es ein öffentliches Ritual, das als Unterwerfung (deditio) galt und damit einen Konflikt zweier Konfliktparteien direkt beenden konnte. Warum aber Hunde getragen wurden, ist noch immer umstritten. Die wahrscheinlichste Möglichkeit: Sie galten bereits im Mittelalter als treue Tiere und das Tragen eines Hundes demonstrierte das erneuerte Hochhalten der Treue des Trägers, gleichzeitig der sich Unterwerfende, gegenüber der ranghöheren Person. Gelöst von unserer heutigen Sicht auf den Hund, galt er im Mittelalter aber auch als schmutziges Tier, welches sich in den Gassen von Resten ernährte – eine ungleich härtere Bestrafung?