Sonntag, 3. April 2016

Die „Große Pest von London“ und das Schicksal des Dorfes Eyam

In einem früheren Artikel haben wir uns bereits mit dem Großen Brand Londons beschäftigt, der 1666 einen Großteil der Hauptstadt zerstörte. 1665 und 1666 wurde die Stadt an der Themse jedoch von einer zusätzlichen Katastrophe heimgesucht, um die es im heutigen Artikel gehen soll. Die Rede ist von der „Großen Pest von London“, die, anders, als der Name es vielleicht vermuten lässt, nicht nur in London wütete, sondern sich auch in weiteren Gegenden des Landes ausbreitete. Deshalb soll neben den Ereignissen in London exemplarisch auch ein Blick auf das besondere Schicksal des Dorfes Eyam geworfen werden, welches sich selbst unter Quarantäne stellte, um eine weitere Ausbreitung der häufig todbringenden Krankheit zu verhindern.

Anonymer Künstler, The Great Plague of London in 1665.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Great_plague_of_london-1665.jpg

Sonntag, 27. März 2016

Die Ehefrauen Heinrichs VIII., Teil V: Catherine Howard


Portrait von Hans Holbein the Younger, 1542,
 https://commons.wikimedia.org/wiki/Henry_VIII_of_England?uselang=de#/media/File:Hans_Holbein_d._J._048.jpg

Dieses Bild zeigt den schon fast legendären englischen König Heinrich VIII. (1491-1547) im Jahr 1542. Bekannt wurde er unter anderem dafür, dass er die Reformation in England entscheidend vorantrieb, aber auch für seine insgesamt sechs Ehen, von denen zwei mit der Enthauptung seiner Gattinnen endeten. Während meistens Heinrich selbst im Fokus der Aufmerksamkeit steht, werden wir uns in unserer kurz!-Reihe mit seinen Ehefrauen beschäftigen. Im Mittelpunkt des fünften Teils dieser Reihe steht Catherine Howard (zwischen 1521 und 1525-1542), die Heinrich VIII. 1540 nach der Scheidung von Anna von Kleve zu seiner fünften Ehefrau machte.

Sonntag, 20. März 2016

Die Ehefrauen Heinrichs VIII., Teil IV: Anna von Kleve


Bildnis Heinrichs VIII. vom niederländischen Maler Job van Cleve  (um 1535)

Dieses Bild zeigt den schon fast legendären englischen König Heinrich VIII. (1491-1547). Bekannt wurde er unter anderem dafür, dass er die Reformation in England entscheidend vorantrieb, aber auch für seine insgesamt sechs Ehen, von denen zwei mit der Enthauptung seiner Gattinnen endeten. Während meistens Heinrich selbst im Fokus der Aufmerksamkeit steht, werden wir uns in unserer kurz!-Reihe mit seinen Ehefrauen beschäftigen. Im Mittelpunkt des vierten Teils dieser Reihe steht Anna von Kleve (1515-1557), die Heinrich VIII. im Januar 1540 zu seiner vierten Ehefrau machte.

Sonntag, 13. März 2016

Friedrich Barbarossa und die zweimalige Unterwerfung Mailands

„(Dort) stand der carroccio, der von vielen Eichenbohlen eingefasst, zum Kämpfen von oben herab ziemlich gut gerüstet und mit Eisen überaus stark beschlagen war und in dessen Mitte sich ein schmaler Mastbaum erhob, der von unten bis oben mit Eisen, Lederriemen und Stricken äußerst fest umwunden war. Dessen Spitze überragte das Zeichen des Kreuzes, auf dessen vorderen Teil der heilige Ambrosius gemalt war, nach vorne blickend und Segen spendend, wohin der Wagen auch bewegt wird. Nach dem völligen Verzicht der Mailänder auf Ehre fuhr zuletzt dieser Wagen heran, um selbst sein Haupt zu neigen. […] Aber der herabgesenkte Mast fiel nicht und erhob sich nicht, bis der Kaiser die Fransen der Fahne zusammenlas und carroccio wieder aufrichten und als unterworfen dastehen ließ.“
(Burchard, Übersetzung nach Görich: Die Ehre Friedrich Barbarossas, S. 250f.)

Dieser Ausschnitt aus dem Werk des Chronisten Burchard von Ursberg beschreibt den Höhepunkt der zweiten Unterwerfung (lat. deditio) Mailands vor die Füße des Kaisers Friedrich Barbarossa (1122-1190). Der carroccio, ein imposanter von Pferden oder Ochsen gezogener Triumphwagen, musste sich ihm symbolisch unterwerfen – und mit ihm die ganze Stadt Mailand mit ihren Einwohnern. Als Herrschaftszeichen Mailands symbolisierte er alle Macht der italienischen Kommune. Die Fahnen und Trompeten bildeten zusammen mit dem carroccio die Merkmale der Mailänder Herrschaftsordnung. Neben der symbolisiertenpolitischen Macht war der carroccio auch ein religiöses Symbol. Im Zentrum dieses Artikels steht die Frage, wie es soweit kommen konnte, dass ein Kaiser, der eigentlich für seine clementia (Milde) geschätzt wurde, eine ganze Stadt bedingungslos unterwerfen und anschließend sogar weitgehend zerstören ließ? Zudem ist die Betrachtung des mittelalterlichen Rituals der deditio für die Auseinandersetzung Barbarossas mit Mailand unbedingt notwendig. 

Friedrich I. Barbarossa (Mitte) mit seinen Söhnen Heinrich VI. und Friedrich von Schwaben in der Historia Welforum / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/07/Friedrich-barbarossa-und-soehne-welfenchronik_1-1000x1540.jpg

Sonntag, 28. Februar 2016

Nicolas Flamel und der Stein der Weisen - Wahrheit oder Legende?

“I knew it! I knew it!” “Are we allowed to speak yet?” said Ron grumpily. Hermione ignored him. “Nicolas Flamel,” she whispered dramatically, “is the only known maker of the Philosopher's Stone!” (Joanne K. Rowling, Harry Potter and the Philosopher's Stone, S. 237)

Dieses Zitat dürfte vielen nur allzu bekannt vorkommen – sei es aus dem 1997 erschienenen ersten Band der Harry-Potter-Reihe Harry Potter und der Stein der Weisen der britischen Autorin Joanne K. Rowling oder dem 2001 in die Kinos gekommenen gleichnamigen Film. Ausgehend von der literarischen Verarbeitung des Motivs geht unser heutiger Artikel der Frage nach, was es mit der realen Person Nicolas Flamel tatsächlich auf sich hatte, was über sein Leben überliefert ist und in welcher Verbindung er mit dem sagenumwobenen Stein der Weisen (lat. lapis philosophorum, eng. philosopher's stone) steht. Handelt es sich bei Flamel wirklich, wie Hermine Ron und Harry gegenüber erklärte, um den einzigen bekannten Hersteller eines Steines, der seinem Besitzer Reichtum und Unsterblichkeit gewähren sollte? 

Phantasieportrait Flamels von Balthasar Moncornet aus dem 17. Jahrhundert https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flamel.jpg

Sonntag, 21. Februar 2016

„so nim danne din uentilabrium“ – Schädelchirurgie im Mittelalter

Ein Name ist unweigerlich mit der mittelalterlichen Chirurgie verbunden: Roger Frugardi (1140-1195). Erst mit ihm und seinen Vorlesungen zur allgemeinen und speziellen Chirurgie an der Hochschule von Parma kam es zu einem Neubeginn der abendländischen chirurgischen Praxis und zu wundärztlichen Vorlesungen auch an den Medizinschulen von Salerno, Montpellier und Paris sowie der Entstehung der Chirurgenschule in Bologna. Mit Roger Frugardi war die Chirurgie nun kein bloßes Handwerk mehr, sondern Teil des Unterrichts an den großen mittelalterlichen Medizinschulen. Seine Vorlesungen in Parma wurden in den 1170er Jahren von Guido von Arezzo dem Jüngeren anhand von mehreren Hörermitschriften festgehalten und um 1180 mit Erkenntnissen durch die persönliche Unterweisung Arezzos durch Roger Frugardi erweitert als Practica Chirurgiae herausgegeben. Diese chirurgische Schrift, die heute als Rogerina bekannt ist, begründete nicht nur die Gattung des abendländischen chirurgischen Lehrbuchs, sondern wurde auch bis ins 14. Jahrhundert immer wieder neu überarbeitet, kommentiert und erweitert und war damit maßgeblich für das Hoch- und Spätmittelalter.
Dieser Artikel will aber nicht weiter Leben und Werk Roger Frugardis beleuchten, sondern anhand des im Breslauer Arzneibuchs (Ende 13./Anfang 14. Jh.) überlieferten Schädelchirurgischen Fragments (111v-114v), dessen Verfasser sich an der (schädel-)chirurgischen Praxis Frugardis orientierte, Einblicke in die mittelalterliche Schädelchirurgie geben. 

Sonntag, 7. Februar 2016

Die Versklavung der Roma in Südosteuropa*

„Wenn ich sterbe, begrabt mich aufrecht, denn ich habe mein ganzes Leben lang auf Knien verbracht.“ So lautet ein Aphorismus der Roma. Und tatsächlich – das Leid der Roma zeigt viele Facetten. Von immer noch währendem Rassismus gegen „die dunkelhäutigen Fremden“, wie Roma auch heute noch oft bezeichnet werden, bis zur ihrer systematischen Vernichtung während des Nationalsozialismus, hat das Roma-Volk allerhand Erniedrigungen über sich ergehen lassen müssen. Doch seine Leidensgeschichte begann schon viel früher, als Mitte des 14. Jahrhunderts einzelne Roma-Gruppen aus Kleinasien in die Fürstentümer Moldau und Walachei, heute Rumänien und Moldawien, zogen. Dort fanden sie zu Anfang ihren Platz in der Gesellschaft, wenn auch auf der niedrigsten Stufe der sozialen Hierarchie, in dem sie sich in Nischenberufen betätigten. Doch diesen Platz haben sie schnell wieder eingebüßt, als das Osmanische Reich Ende des 14. Jahrhunderts die Fürstentümer zu Vasallenstaaten erklärte. Von nun an waren die Woiwoden (slawische Herrscher), Klöster und Bojaren (Großgrundbesitzer) zu hohen Tributzahlungen gezwungen, was die Nachfrage nach Arbeitskräften steigerte. Die Steuern wurden folglich erhöht und Roma kurzerhand zu robi, also Sklaven erklärt.


Porträt eines walachischen Roma-Sklaven (Rumänien)
http://rombase.uni-graz.at/cgi-bin/res.cgi?lang=de&filename=data/hist/modern/vlach.res.xml&id=1